1722 Quadratmeter Kunst

- Seine Kunst wirkte, wie aus einer fernen Zeit auf uns gekommen. Renaissance und Manierismus waren die Fixpunkte seiner Malerei - die jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand. In dieser historistischen Konsequenz war Werner Tübke eine singuläre Gestalt. Am Donnerstagabend starb der 74-Jährige nach schwerer Krankheit in Leipzig. Auch er gehörte der Leipziger Schule an wie Wolfgang Mattheuer, der im April gestorben ist.

Tübke wurde vor allem bekannt durch seine monumentalen Gemälde, insbesondere das 1722 Quadratmeter große Panoramabild in Bad Frankenhausen (Harz), das die Bauernkriege (1524/ 26) mit über 3000 Figuren schildert: ein weit gespanntes, wogendes Menschentheater, im Geschichtsbild der DDR verankert, das diese Kriege als erste deutsche Revolution wertete. Das riesige Werk entstand denn auch im Auftrag der SED; 1976 begonnen, 1987 vollendet, 1989 eröffnet.<BR><BR>Werner Tübke wurde am 30. Juli 1929 in Schönebeck an der Elbe geboren, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und ließ sich außerdem als Kunsterzieher ausbilden. Ab 1963 lehrte er selbst an dieser Akademie, wurde 1972 Professor und war von 1973 bis '76 dort Rektor. Als "Staatsdiener" wollte er nach dem Mauerfall nicht gelten, war aber einer der privilegiertesten Künstler der DDR.<BR><BR>Beeindruckend an dem Leipziger Maler, der bis kurz vor seinem Tod noch eine Ausstellung mit neuen Arbeiten in einer Frankfurter Galerie geplant hatte, war sein feinsinniges malerisches Handwerk - und sein stilistischer Eigensinn. Er wagte es, "altmodisch" zu sein, und wurde damit weithin bekannt. Vielleicht konnte so ein uvre - auch mit bemerkenswerten Grafiken - nur in einem abgeschlossenen "Biotop" wie der DDR überleben.<BR><BR>

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