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Frontmann Jared Leto (Archivfoto)

Die Konzertkritik

Außerirdisch! 30 Seconds To Mars in der Olyhalle

München - Von null auf 100 in 30 Sekunden: Die US-Rockband 30 Seconds to Mars versetzte die 10 000 Fans in der Olympiahalle zwar nicht binnen einer halben Minute auf unseren Nachbarplaneten, aber dafür in wilde Ekstase.

Kein Wunder bei diesen Songs, die auf größtmögliche Live-Wirkung hin konzipiert sind: bombastische, theatralische Stadionrock-Hymnen im Cinemascope-Format – mit druckvollen Drums, fetten Gitarrenbrettern, eingängigen „Oh-Oh-Oh“-Chören und eingebauten Mitmach-Parts.

Wer das nur auf Platte hört, mag das kühl konstruiert und effekthascherisch finden. Doch wer das Trio live erlebt, muss die Waffen strecken und den Hut ziehen: Das Konzept funktioniert großartig, zumal es brillant umgesetzt ist.

Da werden alle Mittel aufgeboten – von Taiko-Trommeln über Akrobaten und Luftballons bis hin zu einer gigantischen Licht- und Videoshow. Und Mastermind Jared Leto, Frontmann, Frauenschwarm und nebenbei ein phänomenaler Schauspieler (Requiem for a Dream), verfügt nicht nur über eine tolle Stimme, sondern auch über das nötige Charisma und die gebotene Portion Größenwahn, um pathetische Popstar-Posen perfekt zelebrieren zu können.

Dabei agiert der Obermarsianer so, als hätte er sich persönlich von Bono coachen lassen. In Search and Destroy singt er zwar I’m not Jesus, doch mit seiner neuen Langhaarfrisur könnte er sich auch als Hauptdarsteller in Oberammergau bewerben. Er flüstert und schreit, er wandelt durch die Menge, holt immer wieder Fans auf die Bühne und hat das Publikum stets vollkommen im Griff.

Letztlich sind es die Fans, die dafür sorgen, dass es ein denkwürdiger Abend wird: Sie verwandeln die Halle 100 Minuten lang in einen Hexenkessel. Umwerfend!

Marco Schmidt

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