Wie ein Abend im Pub

- Die Corrs haben Mut. Während die Fans in der Münchner Olympiahalle auf sanften Ethno-Pop warten, schicken die Iren als Vorgruppe Myslovitz auf die Bühne. Eine junge Band aus Polen, die hörenswert schrägen Gitarrenrock mit Klangexperimenten und slawischer Schwermut verbindet. Dem Publikum gefällt es, und die Corrs dürfen sich bestätigt fühlen, als sie mit "Humdrum" vom neuen Album "Borrowed Heaven" unerwartet rau ihr Konzert eröffnen.

Denn die Corrs haben ein seltsames Problem: Sie sind jung, attraktiv, begabt und erfolgreich, mithin also suspekt. Die Kritiker werfen den Iren ausgerechnet das vor, was Fans so schätzen: die Fusion von alten irischen Weisen mit süffigem Pop-Sound. Dabei machen die Corrs einfach nur gerne Musik, das spürt man. Und ihre Affinität zu überliefertem Liedgut wie "Toss the feathers" ist nicht aufgesetzt. Die Begeisterung für traditionelle Lieder überträgt sich auch auf das Publikum - diese Songs sind die wahren Höhepunkte bei Corrs-Auftritten.<BR><BR>Bei den Eigenkompositionen reicht der Einfluss keltischer Klänge über den Einsatz von Geige und Flöte. Der Rhythmus ist oft aufregend zickig, immer mal wieder überraschen ausgefallene Tonfolgen, der Gesang ist etwas eigenwillig ausharmonisiert. Trotzdem verführen zum Mitsingen - es ist also Volksmusik im eigentlichen Sinne. Dargeboten wird das mit dem unwiderstehlichen Charme eines entspannten Abends im Pub um die Ecke.<BR><BR>Natürlich ist Sängerin Andrea Corr ein Showtalent, und die Gruppe weiß, wie man auf einer Bühne wirkt. Aber die Corrs unterwerfen sie sich keinem Show-Konzept. Stattdessen hüpft Andrea Corr ungestüm herum und legt echte Leidenschaft in ihre merkwürdig brüchige und doch kraftvolle Stimme. Und irgendwie ist es folgerichtig, dass der schönste Moment des Konzerts jener ist, an dem Andrea Corr ihren Einsatz verpasst und mit Kleinmädchen-Gesicht schuldbewusst ihre Band ansieht, die aber fröhlich zurück grinst und weiterspielt, bis es klappt.<BR><BR>In solchen Augenblicken schleicht sich eine Intimität ein, die man in der Olympiahalle nicht für möglich halten würde. Dafür sieht man den Corrs ihren Hang zur Überzuckerung nach und genießt einen netten Abend mit netten Menschen.<BR><BR>

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