Das Ja und das Aber

- Man kann ja nur raten, was diese beiden Magdeburger in ihrer Kindheit am liebsten getan haben. Haben sie sich reihenweise Knoten in ihre Taschentücher geknüpft oder Lakritzschnecken auseinandergefummelt oder sich auf der Schaukel eingedreht und dann wieder austrudeln lassen? Es muss etwas Verwickeltes gewesen sein, so viel ist sicher. Denn nun stehen sie auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, und wenn sie nicht gerade dabei sind, sich in ein neues Wortspiel hineinzuwurschteln, dann wurschteln sie sich gerade wieder heraus.

"Magdeburger Zwickmühle" nennen sich die Sprachverdreher aus Sachsen-Anhalt, und in ihrem neuen Programm zwicken sie einander gehörig. Das Entweder und das Oder könnte man Hans-Günther Pölitz und Marion Bach auch nennen oder das Ja und das Aber. In "AB und ZU STIMMUNG - eine WAHLpurgisnacht" (Regie: Regina Pölitz) wundern sie sich, zusammen mit Rousseau, Marx, Valentin und Tucholsky, über das Phänomen der Kreuzchen: die, welche ein jeder zu tragen hat, und die, mit denen man wählt. Das habe ja schon um 33 nach Christi Geburt angefangen, als Pilatus das Volk vor die Wahl stellte: "Hinter welchem von beiden wollt ihr ein Kreuz machen, Barabas oder Jesus?" Der Unterschied: Die Politiker hielten sich jetzt schon für den lieben Gott.

Abseits des dichten Waldes von Entertainern beweist die Magdeburger Zwickmühle, wie wohltuend das Phänomen Zuzweitunterhalter sein kann. Besonders, wenn er sich zwischendurch hinters Piano schwingt und sein "Müddilein" im kurzen Lachsfarbenen ein schönes böses Merkel-Liedchen kreislert.

Sein Kreuzchen kann man bei diesem Programm übrigens vergessen: Wenn das Duo mit seiner Sprachwissenschaft am Ende ist, liegen alle Politiker samt Wahlprogrammen und "Kolaberation", in unangenehmer Gesellschaft von Guido Knopp und dem Grünen Hügel, mit dem Kopf im Wortsalat - und über ihren Köpfen kreist der Pleitegeier, der gehört zur Wally Merkel und wird, wie es einst im Jahre 206 eine weiße Taube tat, die "Wahlhalla"-Wahl (für sich) entscheiden.

Bis 29. Oktober, jeweils 20 Uhr, Karten: 089/ 39 19 97.

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