Abpfiff für Don Juan

- Am Ende erscheint rot umwabert der Komtur. Im fliederfarbenen Bademantel, der ein odioses Negligee und den Liebestöter freilässt, scheucht "er" (Winnie Böwe) in satten Tönen nicht einen, sondern acht Don Giovannis in die Hölle. Wieder eine dieser schrillen Operninszenierungen?

Nein, es geht schlicht um "Männer" - und Frauen. Der "Fußball-Liederabend" von Franz Wittenbrink, den er bereits 1997 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg herausgebracht hatte (das dortige Bühnenbild nun angepasst ans Münchner Schauspielhaus), wurde am Dienstagabend bei der Premiere in den Kammerspielen heftig bejubelt. Auch oder gerade weil sich da die Don Juans längst entzaubert und eher als Liebeskranke denn als Fußballnarrische erwiesen hatten.

Alles beginnt mit dem Ende eines Spiels - 88. bis 91. Minute - und mit dem Anfang, der Ouvertüre von Mozarts "Don Giovanni". Die acht auf der grauen Tribüne mit roten Sitzen - oben sind Urinale, Fernsprecher und Bierzapfstellen sichtbar - verfolgen trötend, körper-mitgehend und brummelnd das Auf- und Abschwellen der Match-Aufregung - natürlich im Mozartrhythmus. Bis zur 0:0-Erschlaffung. Man geht aber nicht auseinander; die Typen vom biederen Rentner bis zum Stenz im weißen Anzug bleiben zwecks Frustabbaus zusammen und erzählen/ singen.

Der Nummernabfolge von Peter Maffays "Es war Sommer" über Heinz Rühmanns "Ich brech' die Herzen" bis zu Franz Beckenbauers "Gute Freunde kann niemand trennen" merkt man an, dass Wittenbrink keine so runde Geschichte zu bieten vermag wie etwa in "Denn alle Lust will Ewigkeit" oder "Kein schöner Land". Zusammen mit Premieren-Lampenfieber ergab das einen eher zögerlichen, zähen Start, den auch Miroslav Nemec mit seiner anfeuernden, aber noch unharmonisch laufenden "Sex  Machine"  nicht  auf Touren brachte.

Die drei Tenöre

Den Eisbrecher für das von Anfang an jubelwillige Publikum machte dann Christian Friedel. Er fetzt "Ich überleb's" (Fekaris/Rajter) auf die Tribüne, die sofort zur Showtreppe wurde, zieht Ensemble und Zuschauer in seine Spiel-/ Musikfreude hinein. In dieser nun entstandenen Wohlfühlatmosphäre flutschen die folgenden Lieder immer besser und genüsslicher bis hin zu vier Zugaben. Wo der Sechzger-Freund rockig voll auf seine Kosten kommt und der Chor-Genießer endlich zu Gehör kriegt, was er schon immer vermisst hat: "Es gibt kein Bier auf Hawaii" als Kanon. Ansonsten sind starke Frauen, Sex, Sentimentalität und Sehnsucht die Themen.

Als freundlicher Mensch dimmte Wittenbrink die Brutalo-Ebene der Fußballfans ziemlich stark. Immerhin wird ein bissl randaliert; ab und zu quillt als Kloakenbrühe der Fan-Gesang "Ficken, Saufen, TSV, das ist alles, was wir brauchen" hoch. Ob Schlager, ob Song, ob Kunstlied, fast alles wird parodiert (fein und klug: Jochen Noch) oder ins Skurrile abgedreht (Jean-Pierre Cornu, Rainer Piwek, Stephan Zinner, Stefan Merki und Paul Herwig). Das gipfelt in Höhepunkten, wo beispielsweise "Mama" (Bixio/ Cherubini) als Oper tönt und Cornu, Nemec sowie Piwek zu den drei Tenören mutieren.

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