Absage an Johnny Depp - Intendant Ulrich Peters präsentiert die Spielzeit 2008/09 an Münchens zweitem Opernhaus

München - Gelinde gesagt: Die erste Saisonhälfte lief holprig. Doch spätestens seit der Verdi-Premiere von "I Masnadieri" scheint das Team um Ulrich Peters, dem neuen Intendanten am Gärtnerplatz, Tritt gefasst zu haben.

Die Auslastungszahlen sind um einige Punkte auf rund 78 Prozent geklettert. Grund genug offenbar, in der Zukunftsplanung gleich ein bisschen wagemutiger zu werden. Denn: "Das Ungewöhnliche hat eingeschlagen wie Bomben", so der Chef in leicht martialischer Wortwahl.

Allein die Sparte Musiktheater offeriert in der Spielzeit 2008/ 09 eine Uraufführung plus drei Münchner Erstaufführungen. Das Ungewöhnlichste zum Saisonstart: Das Singspiel "Liebe und Eifersucht" von E.T.A Hoffmann, vor 200 Jahren komponiert, wurde noch nie gezeigt. In einer gemeinsamen Anstrengung mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen (Premiere dort am 27. Juli) wird das Werk nun auf beide Bühnen gebracht.

Ein Bekenntnis zur "frühen, ein bisschen subversiven Operette" möchte Ulrich Peters mit Suppés "Boccaccio" ablegen. Und mit dem Musical "Sweeney Todd" vertraut man auf einen populären Stoff, der gerade viele ins Kino gelockt hat. "Wir haben lange erwogen, Johnny Depp zu besetzen", so Peters ironisch. "Doch nach dem Vorsingen haben wir ihn als zu leicht befunden."

50 Zuschauer mehr pro Vorstellung, das hatte sich der Intendant vor Beginn seiner Amtszeit vorgenommen. Laut Statistik sind es nun 52 geworden, wie Ulrich Peters nicht ohne Genugtuung berichtet. Und freimütig auch die Zahlen fürs Ballett einräumt: Obwohl das Tanztheater München mit seinem Chef Hans Henning Paar viel Lob erntet, rutschte die Auslastung auf 51 Prozent ab:

Startschwierigkeiten, die sich noch legen dürften. Paar zeigt nächste Spielzeit mit "Der kleine Prinz" eine Produktion, die vor allem für Nachwuchszuschauer gedacht ist. Und mit der Uraufführung des "Sommernachtstraums" zur (Live-)Musik von Mendelssohn Bartholdy und modernen Komponisten lockt ein großer, wirksamer Shakespeare-Stoff.

Kontinuität herrscht bei den Reihen "Jazz im Gärtnerplatz", "Operncafé" und "Opern auf Bayrisch". Das Gärtnerplatz-Orchester steuert fünf Symphoniekonzerte bei. Die Spielzeit startet wieder mit dem großen Fest "Theatervergnügen" (20.9.) Und bei der Produktion "Orchesterprobe, Traviata, III. Akt" dürfen die Besucher sogar in den Graben - um hautnah mitzuerleben, welche Pannen, Widersinnig- und Kostbarkeiten beim Erarbeiten einer Oper passieren. "Eine große Gaudi eben", wie es Ulrich Peters formulierte. "Das darf das Theater durchaus mal wagen."

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