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Unter Tatverdacht: Laura (Erika Ceh) behauptet, ihren Mann erschossen zu haben. Chiefinspector Thomas (Ralf Eisner) ermittelt. „Der unerwartete Gast“ nach Agatha Christie ist die letzte Inszenierung von René Siegel-Sorell, Intendant des Blutenburgtheaters.

Zum Abschied Agatha Christie

München - René Siegel-Sorell hat zum letzten Mal am Blutenburgtheater inszeniert - und auf "Münchens Kriminalbühne" Agatha Christie gezeigt.

Scheinwerfer von vorbeifahrenden Autos im dichten Nebel einer finsteren Nacht in Wales – man ist immer wieder erstaunt, was sich nicht alles mit ganz wenigen Mitteln auf einer Winz-Bühne machen lässt: René Siegel-Sorell, dessen Blutenburgtheater sich in den Achtzigerjahren erfolgreich als „Münchens Kriminalbühne“ etabliert hat, inszenierte zum letzten Mal – nun sollen jüngere Regisseure übernehmen. Zum Abschied musste es natürlich eine Agatha Christie sein, deren Stücke vom Prinzipal besonders liebevoll gepflegt wurden. Und Lady Agathas „Der unerwartete Gast“ ist denn auch wieder so richtig schön verzwickt-verzwackt.

Michael Starkwedder, im Nebel mit seinem Wagen im Straßengraben gelandet, sucht Hilfe im Anwesen der Familie Warwick – und findet den Hausherrn erschossen im Rollstuhl. Dessen Frau Laura, eine Pistole in der Hand, behauptet, die Mörderin zu sein und will die Polizei verständigen. Doch der Fremde, der von Laura alles über den durch einen Unfall gehbehinderten einstigen Großwildjäger und tyrannischen Gatten erfahren hat, will diese junge Frau – von Erika Ceh eindringlich-ernst gespielt – unbedingt vor dem Gefängnis retten. Das Scheusal Warwick hatte doch viele Feinde! Also konstruiert Starkwedder – Wolfgang Haas als zurückgenommener Hobby-Detektiv – einen Tathergang, der den Verdacht auf einen gewissen McGregor lenkt, dessen kleinen Sohn Warwick vor Jahren im Suff zu Tode gefahren hatte. Nach dieser zwangsläufig wortlastigen Exposition zieht die Handlung an: Zum einen soll McGregor schon verstorben sein, was aber auch eine geschickt gelegte falsche Spur sein könnte. Zum anderen haben hier alle Tatmotive: Ian Warwick (Andreas Haun), der psychisch gestörte Stiefbruder, und seine Zwillingsschwester (Julia Lowack), die beide verhindern wollen, dass er in eine Anstalt weggesperrt wird; die zugeknöpfte Hausdame (Astrid Polak) und der Leisetreter-Butler (Johannes Haag) wirken auch nicht ganz astrein; und schließlich Lauras Geliebter Julian (Florian Fisch), für den sich Laura vielleicht nur opfern will.

Während Ralf Eisner als Chiefinspector den Fall eher gemächlich angeht, ist meine Sitz-Nachbarin vom verrätselten Geschehen total gepackt: „Aufregend, keine Sekunde langweilig“, entrutscht es ihr. Krimispannung, gewürzt mit schleimigen Erpressungsversuchen, erotischen Ausflügen hinterm Canapé und literarischen Zitaten, die Sergeant Cadwallader (Till Klewitz) zu jeder Minute parat hat – das ist fürs Publikum die beste Erholung vom Alltagsstress. Am Ende euphorischer Applaus vom Publikum, das dem Blutenburgtheater sicher treu bleiben wird.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen bis 11. Februar 2012; Telefon 089/ 123 43 00.

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