Abschied von der Börse

- 20 Aussteller weniger als im Vorjahr - das kam einer großzügigeren Aufteilung in der Halle A 6 des Messegeländes nur entgegen. Ab diesem Samstag lockt die 47. Münchner Kunstmesse neun Tage lang mit Pretiosen von den frühen Kulturen bis zur Gegenwart. 110 Aussteller präsentieren etwa 20 000 Objekte. Links vom Entree wurden wieder die antike und die außereuropäische Kunst untergebracht, daneben gleich wichtige Händler mit Malerei Alter Meister, nach rechts hin bis zur Hallenmitte hin die Moderne.

<P></P><P>Eine Auswahl aus dem Programm: Aussteller Scheidwimmer bereitet ganz absichtslos auf die am 6. Dezember beginnende Stillleben-Ausstellung der Hypo-Kunsthalle vor. Vom Middelburger Maler Laurens Craen sind bei einem Gesamtwerk von etwa 20 gesicherten Bildern nur zwei mit Datierung bekannt. Scheidwimmer zeigt eines von 1648: Appetit anregend mit einem Hummer und einem Delfter Krug (180 000 Euro). Jan Pauwel Gillemans d.Ä.  verband 1662 Südfrüchte, Austern und Krabben miteinander (60 000 Euro). Aus einer australischen Privatsammlung kommt ein kleineres Querformat von Jan Baptist van Fornenburgh, mit Blumen und Pfirsichen auf einer Tischplatte (75 000 Euro).<BR><BR>Die Galerie Trost offeriert als Gemeinschaftsarbeit Jan Brueghels d.J. und Hendrik van Balens eine in der Literatur bisher unbekannte "Rast auf der Flucht nach Ägypten" für 225 000 Euro. Von Jan Brueghel d.Ä. stammt hier ein Stillleben mit Blumenkranz und Tonvase aus der Zeit um 1620 (1,4 Millionen Euro). Als eigenhändige Version Pieter Brueghels d.J. gilt das kleine Rundformat "Der Winkeladvokat". Gemeint ist das flämische Sprichwort: "Der Advokat, der das Recht beugen kann, der mag ein rotes Gewand tragen" (220 000 Euro).<BR><BR>Spätgotische Skulpturen sind trotz der gewaltigen Verluste an Bildwerken jener Zeit - erhalten blieben vielleicht zehn Prozent - recht preiswert. Bei Siegfried Kuhnke gibt es eine "Thronende Muttergottes mit Kind" aus dem Ulmer Multscher-Umkreis (um 1450/60) für 45 000 Euro und bei Georg Urban einen Tiroler "Gnadenstuhl" für 29 000 Euro. Senger platzierte zwischen einen westfälischen Christophorus und einen hl. Rupert des Meisters von Rabenden (42 700 Euro) eine Nürnberger Muttergottes (um 1500) für 85 000 Euro.<BR><BR>Die Galerie Schlichtenmaier bietet hochrangige Gemälde Willi Baumeisters zwischen 200 000 und 370 000 Euro, eine "Sechsergruppe" Oskar Schlemmers und dessen "Pinselprüfer" von 1941 für 290 000 und 128 000 Euro, eine 1912/13 vom gemeinsamen Lehrer Adolf Hölzel abstrahierte "Anbetung" 105 000 und Karl Hofers "Mädchen mit Sonnenblumen" (1944) 205 000 Euro.<BR><BR>Der Markt der Klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst wachse stetig, sagte Messe-Chef Peter Henrich. Das Angebot umfasst in diesem Jahr etwa 45 Prozent der Ausstellungsfläche. Und trotz der wirtschaftlichen Flaute sieht Henrich für den Kunstmarkt keine Probleme: "Der Handel wird Attacken und Krisen überleben. Die Leute verabschieden sich von der Börse und beschließen stattdessen, mal ein Bild zu kaufen."</P><P> </P>

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