Ins Abseits gedrängt - Ausstellung

Regensburg - Zwischen Dämonie und Realität: Das Werk der vergessenen Malerin Clara Siewert ist in einer Ausstellung in Regensburg neu zu entdecken.

Sie wurde 1901 eines der ersten weiblichen Mitglieder der Berliner Secession. Sie stellte seit 1892 in renommierten Berliner Galerien aus. Doch vollends seit dem Verlust großer Teile ihres Lebenswerks durch Bombenangriffe und seit ihrem Tod im Jahr 1944 gehörte die 1862 in Westpreußen geborene Malerin und Grafikerin Clara Siewert zu den Vergessenen.

Die Regensburger Ostdeutsche Galerie betreibt mit 120 vorwiegend grafischen Werken jetzt ihre Wiederentdeckung. Erinnert wird damit nicht nur an die beruflichen Hindernisse, die einer Malerin um 1900 im Wege standen, sondern auch an die "innere Emigration" Clara Siewerts seit dem Ende des Ersten Weltkrieges, als das Auf und Ab neuer Kunstrichtungen sie ins Abseits drängte.

Seit 1910 war ihr Hauptwerk entstanden, der Zyklus "Die Hexe": die Steinigung einer Ausgestoßenen durch eine wild verdichtete Menge von Frauen. Die Ekstase der aggressiven, triumphierenden Masse mündet in deren Flucht vor der nackt auf dem Boden liegenden Toten, die von einer einzelnen Frau betrauert wird, bis eine Apotheose sie auf einem geflügelten Ross hinweghebt. Clara Siewert sah sich offenbar selber in der Rolle des Opfers einer mörderischen Volksmenge. Ihre Nähe zu der mit ihr befreundeten Käthe Kollwitz - hier demonstriert mit dem Blatt "Beratung" aus dem Zyklus "Ein Weberaufstand" - resultierte nicht nur aus dem gemeinsamen Studium, sondern auch aus der beide verbindenden Position des Mitleidens. Die sozialkritische Thematik wurde von Clara Siewert jedoch durchgehend vermieden. Sie war näher an Edvard Munch, Max Klinger und Arnold Böcklin.

In ihren zahlreichen gezeichneten oder gemalten Selbstbildnissen erscheint Clara Siewert als eine Verzweifelte, als Leidende, schwermütig verfinstert in ihren unbeantworteten Fragen. Im seinerzeit noch vorstädtischen Wilmersdorf wohnte Clara Siewert gemeinsam mit ihren Schwestern in einem bescheidenen Ambiente. Alles zusammen keine "gute alte Zeit", sondern ein Komplex von Ängsten, Dämonen und Einsamkeit.

Bis 14. September

Infos: Tel. 0941/ 297 14-0.

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