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Tenor Daniel Behle, auch ein renommierter Liedsänger, tritt jetzt in München in Strauss- und Mozart-Inszenierungen auf.

Neuzugang an Bayerischer Staatsoper

Tenor Daniel Behle freut sich auf "Dreierpack" 

München - Ein Interessanter Neuzugang an der Bayerischen Staatsoper: Im Interview spricht Tenor Daniel Behle über sein vielseitiges Tenor-Repertoire und neue Pläne.

Wenn sich am Donnerstag in der Staatsoper der Vorhang zur Wiederaufnahme für Barrie Koskys Inszenierung der „Schweigsamen Frau“ hebt, findet sich auf dem Besetzungszettel mit Daniel Behle ein interessanter Neuzugang in der Rolle des Henry. Und auch danach wird man dem gebürtigen Hamburger in dieser Spielzeit noch öfters auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters begegnen.

-Nach Strauss geht es Schlag auf Schlag mit Mozart weiter. Welche Rolle spielen diese beiden Komponisten in Ihrem Repertoire?

Ich freue mich sehr über diesen Dreierpack, weil er alles abdeckt, was ich im Moment singe. Zuerst den lyrischen Strauss, dann den heldischeren Titus und schließlich etwas später noch den Belmonte als eine meiner absoluten Leib- und Magen-Rollen.

-Nach dem Matteo jüngst in Salzburg und dem Henry kommt für Sie demnächst auch „Capriccio“. Würden Sie sich als Strauss-Spezialisten sehen?

Dass 2014 für mich zu einem Strauss-Jahr geworden ist, hat sich einfach so ergeben, weil zum Jubiläum natürlich mehr von ihm gespielt wird. Die „Arabella“ mit Thielemann und diesen illustren Kollegen war eine wunderbare Erfahrung – genau wie jetzt „Die schweigsame Frau“. Das ist unglaublich spaßig, beinahe ein Rossini im Strauss-Format. Ich hatte schon immer eine starke Affinität zu Strauss’ Musik, wenn auch zunächst eher als Zuhörer, weil meine Mutter viele seiner Opern gesungen hat. In einem meiner ersten Engagements in Kiel kam dann aber auch für mich gleich „Die Liebe der Danae“, in der ich einen der Könige gesungen habe. Später dann „Daphne“ in Frankfurt.

-Genau wie „Die schweigsame Frau“ beides Titel, die  heute eher als Rarität zu verbuchen sind.

Na ja, immerhin darf ich den Henry jetzt gleich fünfmal singen. (Lacht.) Es ist einfach ein Stück, das nicht jedes Haus mal eben so besetzen kann. Auch was das Orchester betrifft, ist es nicht leicht. Es hilft sehr, dass viele Kollegen hier das Stück schon einmal gemacht haben. Auch wenn man da als Neuer natürlich sehr gut vorbereitet sein muss, weil das Tempo auf den Proben dadurch hoch ist. Aber genau das braucht eine Komödie. Das kann man nicht nur singen, das muss man auch spielen.

-Man sagt Strauss ja oft ein eher gespaltenes Verhältnis zu Tenören nach. Wie geht es Ihnen damit?

Ich weiß, dass viele meinen, er mochte keine Tenöre, aber das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Es ist zwar alles immer in einer hohen Tessitura angesiedelt, aber Strauss wusste schon, wie man dankbar für Stimmen schreibt. Auch für Tenöre. Anstrengend ja, aber dennoch immer sehr sangbar.

-Gibt es nach so viel Strauss schon Angebote für dramatischere Partien?

Ich habe immer wieder Punkte, an denen ich Neues ausprobiere. „Königskinder“ war so ein Stück oder demnächst der Erik im „Fliegenden Holländer“, in dem ich austeste, wie weit es gehen könnte. Aber danach kommen dann als Ausgleich wieder meine Liederabende, auf die ich nie verzichten würde. Es liegt letzten Endes immer am Sänger selbst, wo es hin geht. Natürlich kommen solche Angebote, aber Mozart ist bei mir zum Glück nach wie vor gut gebucht. Nur Rossini ist inzwischen leider weggefallen. Das kompensiere ich nun eben mit Koloratursingen in der Barockmusik.

-Genießen Sie die Freiheiten, die die Barockmusik bietet?

Niemand würde bei Strauss akzeptieren, dass ich eine andere Phrase singe, weil sie mir besser liegt. Beim Barock ist es absolut üblich, eigene Kadenzen zu schreiben, um seine Stärken zu betonen. Da wird dann oft die Virtuosität des Sängers gerühmt. Was aber, wenn wir ehrlich sind, nur logisch ist, weil wir hoffentlich nur das hineinschreiben, was wir am Besten können. (Lacht.)

-Gilt das auch für Ihr nächstes CD-Projekt, für das Sie die „Winterreise“ neu arrangiert haben?

Es ist kein reines Arrangement, es ist eine Bearbeitung für Klaviertrio, wobei jetzt nicht die Idee war, das Werk neu zu erfinden. Der Kern bleibt mit der Klavierstimme erhalten, aber mit den Streichern lassen sich dazu Akzente setzen oder ein erweiterter Dialog beginnen. Liedgesang ist ja immer ein Geben und Nehmen mit dem Begleiter. Dadurch ist es eine sehr persönliche Angelegenheit. Man muss dabei vor allem ehrlich sein. Auch zu sich selbst. Anders geht es nicht.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

Informationen:

Daniel Behle an der Bayerischen Staatsoper in „Die schweigsame Frau“ am 25., 28. 9., 2., 5., 11. 10. und in „La clemenza di Tito“ am 14., 17., 23. Oktober.

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