Roger Moore ist tot: James-Bond-Darsteller an Krebs gestorben 

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Abtauchen in Traum und Tod

- So ein Plakat! Wer auf Salzburgs Straßen das herzige Bobberl erblickt, das, die Puppe fest im Arm haltend, selig schläft, saust entweder ganz schnell in die Ausstellung "Süßer Schlummer" oder zur nächstbesten Schlafstätte.

Friedrich von Amerling hat mit malerischer Hingabe und mit liebevollem Humor den zarten Schmelz der zwei Jahre alten Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein eingefangen (1836): die hellbraunen Locken ebenso wie die geröteten Pausbacken und die feine Linie der Wimpern, die an den geschlossenen Lidern zusammentreffen.

Vom Mythos bis zur Schlafbekleidung

Auch wenn die reizvolle Schau in der Residenzgalerie über den "Schlaf in der Kunst" von der Allegorie bis zur Psychologie, vom Mythos bis zur Schlafbekleidung sehr vieles bietet, ist ihr Herzstück doch der Schlummer der Kleinen. Kein Wunder, denn Kuratorin Erika Mayr-Oehring hat sich von Bernardo Strozzis Gemälde "Schlafendes Kind" aus dem Bestand des Museum zu ihrem Projekt anregen lassen. Der gebürtige Genuese war schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Unschuld des schlafenden Babys erlegen und feierte das Entrücktsein, das Nicht-Bewusstsein in raffiniert "einfach" variierten Weiß- und Rottönen vor dunklem, unergründlichem Hintergrund.

Geradezu opulent, ja prächtig geht Anton Einsle bei dem gleichen Motiv vor (spätes 19. Jh.), während Gabriele Münter mit ihrem Farbholzschnitt moderne Vereinfachung und Innigkeit vereint. Besonders spannend ist für den Betrachter, wie die Maler in diesem Zusammenhang das Motiv des Jesuskindes sehen: Göttlichkeit und völlig hilfloses Menschsein werden trotz aller Widersprüche atemberaubend verschmolzen. Guido Reni überspitzt das, indem er den Christusknaben auf dem Kreuz schlafend als so genanntes Passionskind zeigt (Anfang 17. Jh.).

"Süßer Schlummer" bedeutet, dass sich die Schau in der Salzburger Residenz nicht auf die Düsternis von Goyas Grafik "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" oder Füsslis "Nachtmahr" einlässt. Allerdings erspürt auch sie neben der Süße das Bittere. So wurde der Schlaf immer als Bruder des Todes gesehen. Zunächst aber widmet sich die Exposition dem Mythos und der Versinnbildlichung des Schlafes. Bei den alten Griechen war Gott Hypnos, "Herr über Götter und Menschengeschlecht", wie ihn Homer in der "Ilias" charakterisiert, zuständig für das erholsame Abtauchen aus dem Wachzustand. Als Statuette steht er am Anfang der Präsentation als große (Abguss)-Statue an ihrem Ende. Bei Joachim von Sandrart ist es eine schöne Frau, die Allegorie der Nacht (1650), die die Menschen in die Kissen drückt.

Noch wichtiger aber ist der Schlaf in Mythologie und Bibel, um allerhand Geschichten zu erzählen. Da gibt es die vielen schlummernden nackten Schönen, die von lüsternen Kerlen, ob Faun, ob Zeus, überrascht werden. Diese erotische Aufladung samt voyeuristischem Blick weisen spätere Künstler bis heute nur mehr uns, den Museumsbesuchern, zu: von Lovis Corinth bis zu dem Fotokünstler Nobuyoshi Araki. Schlafen bedeutet jedoch auch, der Gewalt ausgeliefert zu sein. Jesus verzweifelt an seiner Todesangst-Einsamkeit, denn den Jüngern fallen am Ölberg die Augen zu (Jan van Hemessen, 1554). Und wenn Jürgen Klauke Menschen nur mehr mit Durchleuchtungsapparaten aufnimmt (1989), ist "Big Sleep", ist der Tod nicht weit. In geisterhaftem Weiß irrlichtern Schemen von Gesichtern über das schwarze Triptychon (das übrigens aus Münchens Lenbachhaus stammt).

Geheimnisvolles und nicht Erklärbares

So wichtig der Schlaf fürs Überleben, für die Gesundheit ist, so eng wird er in der Kunst mit dem Geheimnisvollen, oft nicht Erklärbaren verbunden: Traum und eben Tod. Zeigen die älteren Künstler noch, was im Schlaf geschieht - wie etwa Domenico Fetti in "Jakobs Traum von der Himmelsleiter" (1619) -, bleiben die Träume in der Moderne trotz Sigmund Freud versiegelt. Paloma Navares dokumentiert lediglich per Video Schlafstellungen (2000) oder per Foto nur das benutzte Bettzeug (2002), auf das sie Traum-Chiffren kritzelt. Und wenn Ernst Stöhr Desdemona in ihrem leichten, blauen Nachtgewand tief unten an den Bildrand legt und auf sie mächtige rote Flächen türmt, weiß man nicht: Träumt sie vom nahen Tod, oder hat Othello sie schon ermordet (Anfang 20. Jh.)?

Bis 1.11., tägl. außer Montag 10-17 Uhr (bis 28.8. auch montags); Residenzplatz 1, Tel. 0043/ 662/ 84 04 510, www.residenzgalerie.at; Katalog, Deutscher Kunstverlag: 17 Euro.

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