Achtung vor der Schöpfung und dem Schöpfer

- Eine der originellsten Stimmen Bayerns ist verstummt. Dichter, Sozialkritiker, leidenschaftlicher Katholik sowie ökonomischer und ökologischer Denker, all das ist in Carl Amery gestorben. Schon am 24. Mai, wie der Luchterhand Literaturverlag jetzt bestätigte. Amery ist bereits beerdigt worden. Der Münchner wurde 83 Jahre alt. Sein Tod ist ein großer Verlust für eine Welt, die nur in Geld, in materiellen Werten denkt - und doch eine Sehnsucht nach dem ganz anderen hat. Amery war einer, der sich gegen "Mammonismus" stemmte und der Utopie Wirklichkeit verhieß.

Mit bairischer Eloquenz und ihrer barocken Drastik, Lebenslust und Frechheit. Er traute sich, anders zu denken - an den Konsumfetischisten vorbei, an den Frömmel-Klerikalen vorbei, an den stumpfsinnig In-eine-Richtung-Argumentierern vorbei. Vorgeformte Urteile, Überlegungen und Sätze waren ihm fremd. Mehr von seiner Sorte sollte es geben, und man müsste sich auch ernsthaft mit ihnen auseinander setzen, dann hätte Deutschland mehr Auftrieb, Neues zu probieren; gäbe es weniger verzagte Besorgnis-Erreger, die eigentlich nur ihren Besitzstand wahren wollen, sondern frisch-freche Innovatoren. Solche wie Amery könnten etwas bewegen.<BR><BR>Amery wurde als Christian Anton Mayer am 9. April 1922 in München als Sohn eines Universitätsprofessors geboren. Er studierte in München und Washington Literaturwissenschaften. Er war Regisseur und Dramaturg beim BR, Bibliotheksdirektor in München - und freier Autor. Er gehörte zur Gruppe 47. Später engagierte er sich im Verband Deutscher Schriftsteller und war von 1989 bis '91 Präsident des deutschen PEN-Zentrums. <BR><BR>"Der Mensch kann die Krone der Schöpfung bleiben, wenn er weiß, dass er sie nicht ist", sagte Amery in einem Gespräch mit unserer Zeitung. In dieser Äußerung verbinden sich seine tiefsten Anliegen: Achtung vor der Schöpfung, vor dem Schöpfer. Seine große und kritische Religiosität war für Carl Amery - er wuchs auch in der Domstadt Freising auf - Lebenskraft. Sie zeigte sich in Romanen wie "Der Wettbewerb" (1954) oder "Das Geheimnis der Krypta" (1990), aber auch in Essays wie "Global Exit" (2002) oder "Briefe an den Reichtum" (2005). Diese Kraft trägt ihn wohl auch in sein neues Leben.

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