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Wer kann ihr schon widerstehen? Edda Petri zähmt als Morticia Addams gruselige Gesellen. 

Vor der Musicalpremiere in München

Die „Addams Family“: Eine schrecklich nette Familie

München - Die „Addams Family“ begeistert nicht nur als Cartoon, im Fernsehen und Kino, sondern erobert auch die Musicalbühne im Deutschen Theater. 

„Ba da da dam.“ Vier Noten auf dem Cembalo und zweimal Fingerschnippen. Mehr braucht es nicht, damit Eingeweihten klar ist, wer hier um die Ecke lugt: die skurril komische „Addams Family“, die nach Cartoons, Fernsehserien und Kinofilmen 2010 schließlich auch den Broadway in mehr als 700 Vorstellungen mit ihrem morbiden Humor heimsuchte. Münchner Musicalfans dürfte der Name von Komponist Andrew Lippa dabei noch gut im Ohr klingen – präsentierte die Bayerische Theaterakademie doch erst vor wenigen Wochen die begeistert aufgenommene europäische Erstaufführung seines „Big Fish“.

Im März ist Premiere in München

Während die Studenten mit ihrer Erfolgsproduktion demnächst auf Tour gehen, kündigen Gomez, Morticia und Co. ihren Gegenbesuch an. Im März werden sie im Deutschen Theater an der Schwanthalerstraße ihr Quartier aufschlagen. Andreas Gergen führt Regie beim „Addams Family“-Musical – wie schon bei „Big Fish“. Seine Inszenierung war nach der Premiere in Merzig und Stationen in Bremen sowie Zürich zuletzt in Wien in einer restlos ausverkauften Spielserie zu sehen.

Der Abstecher nach München ist daher für die Beteiligten auf und hinter der Bühne fast schon ein kleines Familientreffen, bestätigt Edda Petri alias Morticia Addams: „Wir werden mit jedem Mal lockerer und wachsen zusammen. So etwas wie Routine gibt es bei uns nicht. Schon dadurch, dass wir immer wieder längere Pausen zwischen den Spielorten haben und so jedes Mal frisch an die Sache rangehen können.“

Edda Petri spielt Morticia Addams

Bereits als Kind hat Petri die berühmte Fernsehserie mit Begeisterung verfolgt – und daraus einiges für ihre Interpretation übernommen. „Meine Lieblingsfigur war tatsächlich damals schon Morticia. Einfach weil sie so cool war und immer über den Dingen stand.“ Trotzdem blieb in der Bühnenfassung genügend Platz für eigene Ideen. „Gewisse Bilder muss man natürlich bedienen, sonst wären die Leute enttäuscht. Aber weder in der Serie noch in den Filmen gab es je einen so emotionalen Ehestreit, wie wir ihn im Musical erleben.“

Das Weltbild von Familie Addams gerät nämlich ordentlich aus den Fugen, als Tochter Wednesday ihren geschniegelten Verlobten Lucas mit ins Gruselhaus bringt. Ein fleißiger Vorzeigestudent und echter Traumschwiegersohn – nur eben nicht für den Zaubertränke brauenden, Rosen köpfenden und einander zum Spaß folternde Addams-Clan.

Grusel, Slapstick - und viel Gefühl

Trotz zahlreicher Grusel- und Slapstick-Momente kommen für Edda Petri aber die Emotionen nicht zu kurz. „Natürlich spielen wir vor allem eine Komödie. Aber eben eine, bei der nicht nur mit dem Säbel, sondern auch mit dem Florett gefochten wird.“

In der Rolle des Familienoberhaupts Gomez steht ihr in München erneut Uwe Kröger zur Seite. Für Petri „der deutsche Musicalgott schlechthin, aber ein unglaublich toller Kollege, mit dem man auf der Bühne viel Spaß hat“. Ein Kompliment, das Kröger gerne zurückgibt. „Alle meine Freunde, die das Stück gesehen haben, wollten nachher sofort ihre Telefonnummer von mir haben. Nein, Spaß beiseite, Edda ist ein richtiger Schatz. Es hilft immer, wenn man weiß, dass der Partner einem vertraut, man sich gegenseitig zuhört und aufeinander eingehen kann.“ Und so stimmt die Chemie trotz Größenunterschied vor allem in der leidenschaftlichen Tango-Szene der beiden. „Die Frauen haben in diesem Stück klar die Hosen an. Allein schon, weil Gomez seine Frau abgöttisch liebt und sie einfach nicht anlügen kann.“

„Es geht um leben und leben lassen“

Überhaupt sind Liebe und Vertrauen für Kröger zwei der zentralen Themen der Geschichte. „Was mir an der Addams Family sofort gefallen hat, war, dass immer schon die Frage aufgeworfen wurde, was eigentlich normal ist und damit quasi auch die biedere US-amerikanische Gesellschaft infrage gestellt wird. Ja, es ist eine merkwürdig gekleidete Familie, die in einem alten Gruselhaus wohnt und ein eiskaltes Händchen hat. Aber im Grunde haben auch sie alle ein großes Herz und wollen nur Harmonie. Einfach leben und leben lassen.“

„The Addams Family“ gastiert von 14. bis 26. März 2017 im Deutschen Theater München; Telefon 089/ 55 23 44 44.

Tobias Hell

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