Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

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Adrenalin zum Auftakt

- Man könnte sich ja auch die Saison hineinschleichen. Mit zartbitterer Herzwehkunst à la "Pelléas et Mélisande" (Debussy), von Regisseur Richard Jones, Dirigent Paul Daniel sowie einem sensiblen Ensemble zubereitet. Doch das war Tag zwei. Tag eins der neuen Staatsopern-Spielzeit befehligte Marcello Viotti. Und der schafft es immer wieder, Repertoire-Aufführungen derart viel Adrenalin zu verpassen, als sei's der Ernstfall Premiere.

<P>Die Partitur von Gounods "Roméo et Juliette" schillerte also in Neonfarben, der Walzer hatte Swing, späterer Tragödien-Ton die notwendige Vehemenz und Todes-Melos eine genau abgemischte Intensität. Bei solch starken Akzenten von Staatsorchester und Opernchor vergisst das Publikum glatt die Verharmlosungen von Regisseur Andreas Homoki: der Kampf Montaigu gegen Capulet als Pennäler-Gekeile - alles doch nur ein dünner Aufguss von Peter Konwitschnys genialem Hamburger "Lohengrin"-Konzept.</P><P>Neu im Ensemble ist Marcus Haddock, im Nationaltheater bereits als Cavaradossi aktiv. Roméos Sakko mag ihm eine Nummer zu groß am Körper schlabbern, Rückschlüsse auf den Premieren-Vorgänger verbieten sich allerdings. Haddock verfügt zwar nicht über den verschwenderischen Wohllaut und aufgekratzten Machismo eines Marcelo Alvarez. Doch begegnet er der Partie mit bemerkenswertem Stilgefühl und vokaler Noblesse, kommt also Gounods Intentionen womöglich näher als Alvarez. Haddocks gut gebündelter, manchmal enger, doch stets elegant geführter Tenor hat Reserven für kraftvolle Ausbrüche und passt klanglich besser zur Juliette von Angela-Maria Blasi.</P><P>Berührend, wie sie das unschuldige Schulmädchen gestaltet, wie sie sich mit kluger Kontrolle in die Partie wirft - mag auch manches nur dadurch dramatischen Nachdruck bekommen, weil es an der Stimmgrenze liegt. Jubel von den Rängen, Abo-Apathie im Parkett: S'ist ja noch früh in der Saison.<BR></P>

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