Ägypten an der Isar

- "Natürlich ist Giuseppe Verdis ,Aida bestens auf einer Opernbühne platziert. Aber die Oper ist so spektakulär, mit großem Chor, die Geschichte verzwickt und umfangreich, sie spielt in der Wüste mit Pyramiden - also von daher ist ,Aida eigentlich wunderbar für einen Ort wie die Olympiahalle geeignet oder sogar für ein noch größeres Stadion. Das würde auch gut passen." Für Rian van Holland, die Aufführungsregisseurin der "Aida"-Produktion, die an diesem Ostersamstag und Ostersonntag, jeweils 20 Uhr, als großes Spektakel in der Münchner Olympiahalle zu sehen ist, besteht gar kein Zweifel daran, dass die Inszenierung dort bestens aufgehoben ist.

 Das Originalkonzept stammt aus dem Jahr 1998 von Petrika Ionesco und wird immer wieder den Bedürfnissen der unterschiedlichen Schauplätze angepasst. "Man kann niemals das Gleiche machen. Wir ändern die Regie durch neue Ideen, aber wir fragen uns auch immer: Was braucht der Raum, was braucht er nicht?" 2001 hatte die Stadion-Version von "Aida" in der Arena Auf Schalke Deutschland-Premiere, begeisterte dort 50 000 Zuschauer und war anschließend in Basel, Hamburg und Hannover zu sehen. Nun liegt Ägypten an diesem Wochenende an der Isar.

Und um das Publikum auch in der Münchner Olympiahalle 2 500 Jahre ins Land der Pharaonen zurückzuversetzen, entstand eine Nil-Landschaft von beeindruckendem Format. Gespielt wird auf 500 Tonnen Wüstensand. "Wir haben eine sehr lebendige Bühne. Wir haben Pferde, und es gibt auch einen Geier, der gar fliegt. Und wenn er fliegt, wie wir das wollen, dann werden es sehr schöne Momente werden", so Rian van Holland. 900 Personen sind daran beteiligt, Verdis Meisterwerk hier als Megaproduktion zu realisieren, 600 von ihnen wirken in der Inszenierung mit. Gearbeitet wird übrigens jeweils mit lokalen Statisten. Oper als Spektakel oder Show, Puristen mögen bei diesen Dimensionen die Nase rümpfen.

Doch der holländische Produzent Peter Kroone will, dem Vorbild von Verona und Bregenz folgend, Opern einem breiten und jüngeren Publikum bewusst als Event zugänglich machen; und nicht nur die populären Werke wie "Carmen" oder "Nabucco", sondern beispielsweise auch "Cavalleria rusticana" und "Rigoletto": "Oper ist nicht nur dafür gemacht, um das Notenmaterial zu interpretieren. Ich glaube, ein Mozart, ein Verdi haben auch nicht als Puristen, sondern als lebendige Musiker gearbeitet und versucht, das Publikum zu erreichen. Und das ist es, was wir auch versuchen. Natürlich müssen wir mit Verstärkern arbeiten, aber wir ändern nichts in der Musik." Die Qualität der Interpreten steht für Produzent Peter Kroone obenan.

In der Olympiahalle wird das Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Patrick Founillier spielen, auch der Philharmonische Chor München lässt sich auf dieses Projekt ein, und der Solistenriege gehören unter anderem Inez Salazar als Aida, Keith Olsen als Radames und Chariklia Mayropoulou als Amneris an. Alle drei kehren immer wieder gerne in Produktionen von Peter Kroone zurück. Begeistert sind sie unter anderem davon, nicht auf einer Bühne, sondern auf einer Spielfläche mit einem 360-Grad-Radius zu spielen, was nicht nur stimmliches, sondern auch großes physisches Engagement verlangt. Eine Herausforderung auch, dabei über Monitore auf die Einsätze des Dirigenten zu reagieren.

Chariklia Mayropoulou meint sogar, dass man in dieser Art der Produktion viel natürlicher spielt als sonst. Keith Olsen sieht die Größe der Olympiahalle überhaupt nicht als Problem. Im Gegenteil, für ihn habe sie sogar intimen Charakter: "Es ist wie im Shakespeare-Theater. Wir können viel besser spielen, weil wir uns auf uns konzentrieren und nicht daran denken müssen, wo das Publikum ist, an das wir uns wenden müssen. Hier sind alle in alles einbezogen." Übrigens: Wer das Libretto nicht im Detail kennt - kein Problem: Ein Erzähler führt in die jeweiligen Akte ein, danach sprechen Musik und Szene für sich selbst.

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