+
Die Ärzte Farin Urlaub, Bela B. und Rod (v.li.) bei ihrem München-Gastspiel.

Die Ärtze: Subtil wie ein Panzer

München - Berlins Kult-Band Die Ärzte wurde in Münchens Olympiahalle gefeiert. Lesen Sie hier die Konzertkritik!

Die Ärzte sind politisch inkorrekt, größenwahnsinnig, dreist und natürlich kindisch – irgendwas vergessen, lieber Herr Urlaub? Doch genau deswegen sind die Berliner Kult, genau deswegen können nur sie es wagen, sich gleich im Intro „heilige Dreieinigkeit“ zu nennen. Und nur vor ihnen fällt die Masse in der seit Monaten ausverkauften Münchner Olympiahalle huldigend auf die Knie. Gut, ihre neuen, teils sehr dem Mainstream verschriebenen Lieder aus dem Album „Auch“ muss man an diesem Abend auch über sich ergehen lassen. Doch irgendwann kommen „Schrei nach Liebe“ & Co. Sie machen die Ärzte und ihren Kosmos aus.

Wunderbare (Liebes-)Lieder ohne Kitsch, ohne Schmalz, dafür brutal und ehrlich. Davor, danach und dazwischen ihre Lebensweisheiten. Manchmal subtil wie ein Panzer, manchmal einfühlsam wie eine Autobahn. Diese Mischung machen Die Ärzte zu jener Größe, zu der sie mittlerweile geworden sind. Und das lässt einen an das erste eigene Ärzte-Konzert anno dazumal auf dem alten Flughafen in München-Riem zurückdenken. Heute ist man – natürlich – politisch korrekter, bescheidener, wohlerzogener und erwachsener. Doch das Herz schlägt immer noch wie früher passend zu ihrem Takt, die Lieder zünden immer noch wie damals. Dazu kommen ihre Albernheiten, ihre Koketterien, ihre Publikumsbeschimpfungen und -liebeserklärungen. Ihr immer noch ungestillter Durst nach „Laolisieren“ und „Pogoisieren“.

Irgendwann in diesen dem Wahnwitz verfallenen dreieinhalb Stunden braucht selbst frau kein T-Shirt mehr. Und die auf die Bühne fliegenden, laut Urlaubs eingehender Prüfung noch warmen BHs sammelt der mit Breitbandgrinsen wahlweise an Bela B.s Schlagzeug oder Rods Mikro-Stange. Dass ihnen das nach 30 Jahren Bandgeschichte noch immer nicht zu blöd ist? Burschen halt – zum Knuddeln und An-die-Wand-Klatschen. Wir werden Euch immer lieben – solange Ihr Euer Versprechen haltet und schnellstmöglich wieder nach München kommt.

Angelika Mayr

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare