Ästhetik menschenleerer Räume

- Für plakative Knaller hat Candida Höfer nichts übrig. Sie kommt aus der Schule der konzeptionellen Fotografie, die nicht verführen, nicht übertölpeln will. Ihre Bilder huldigen der Stille - und der Kraft des Sehens. Kenner der Szene genossen schon länger Höfers Können, Räume und Orte - selbst die unspektakulärsten - in Kunst zu verwandeln.

Seit Candida Höfer ihre Serie über die Rodin-Plastik "Die Bürger von Calais" auf der Kasseler documenta (2002) präsentieren konnte, ist sie kräftig in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Ab 15. Juni wird sie ihre Werke auch auf der Kunst-Biennale von Venedig zeigen.

Wer jetzt schon in die meist menschenleeren Welten der Künstlerin einsteigen will, den Blick über matt spiegelnde Bodenflächen gleiten lassen will, über die stumme Phalanx von Bibliothekstischen oder aufgeklappte Saalbestuhlung, über Hausschwein und Gockel im Naturkundemuseum, über das orangefarbene Futurismus-Design einer 70er-Jahre-Caféteria, dem bietet sich der neue Schirmer/Mosel-Bildband, eine Monografie, als hervorragender "Fremdenführer" an: Zwar ist diese Welt, die Höfers Kamera verzeichnet, ganz und gar unsere, aber sie schafft es, dass sie für uns ganz und gar exotisch wird.

Und selbst die fadesten Badezimmerkacheln neben der nicht minder unspannenden weißen Wanne schauen dann noch ästhetisch aus.

Vortrag über Höfers Werk: Galerie Schöttle, Amalienstraße 41, 29. April, 19 Uhr.

"Candida Höfer - Monografie". Mit einem Text von Michael Krüger.

Schirmer/Mosel Verlag, München.

252 Seiten, 209 Farbtafeln

78 Euro.

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