Afrikas Kunst schafft sich eine Plattform

Johannesburg - Afrikas Kultur-Trendsetter geben sich diese Woche in Johannesburg ein Stelldichein. Die dort stattfindende Art Fair wird zeigen, wie tragfähig der sich entwickelnde Markt für zeitgenössische afrikanische Kunst ist.

Von Donnerstag an können Interessierte bei der ersten Johannesburg Art Fair auf 5000 Quadratmetern der Szene den Puls fühlen und auch Kunstwerke kaufen.

Der Künstler und Kurator Sammy Njami - der bei der vergangenen Biennale in Venedig für den Afrika-Pavillon verantwortlich war - sieht den Neustart positiv: "Alles muss neu geschaffen werden, es gibt keine Erbhöfe - wir schaffen uns eine neue Welt", erklärt er. In Afrika und auch international müsse Bewusstsein für die zeitgenössische afrikanische Kunst entwickelt werden. Njami: "Es ist wichtig für Afrika, sich seine eigenen Instrumente zu schaffen, und eine Kunstmesse gehört dazu." Sie sei der Versuch des Kontinents, sich erstmals ohne westliche Patronage eine eigene Plattform zu geben.

Parallel zu den Exponaten von 22 Galerien aus sieben Ländern - darunter die Berliner Peter Herrmann-Galerie - hat Njami die Werke von Afrikas noch unbekannten Kreativen zusammengestellt. Die Spanne umfasst alle künstlerischen Gattungen - von der Skulptur, der Malerei und Plastik über Film und Fotografie bis hin zu Performances und Konzeptkunst. Der seit 2000 in Berlin wohnende südafrikanische Performance-Künstler Robin Rhode wird auf der Messe sein jüngstes Werk vorstellen, das von einer China-Reise inspiriert wurde.

Die meisten Künstler stützen sich zwar auf die reiche Tradition Afrikas, haben jedoch alle in einer globalisierten Welt ihre eigene künstlerische Handschrift gefunden. Trotz eigenständiger Strömungen hat es dabei stets gegenseitige Beeinflussung zwischen Afrika und Europa gegeben. Afrikas traditionelle Kunst hatte im 20. Jahrhundert Europas künstlerische Avantgarde beflügelt, europäische Künstler und Mäzene verschafften Afrikanern Zugang zur internationalen Kunstwelt. In Johannesburg präsentierte Künstler wie Erik Laubscher sind ein Beleg dafür: Er studierte einst in Paris bei Fernand Leger, wo auch der Algerier Rachid Koraichi studierte.

Messe-Direktor Ross Douglas hofft, dass das Interesse aus dem Ausland auch die Südafrikaner mit sich zieht, die traditionell eher selten als Bieter auf internationalen Kunstauktionen in Erscheinung traten. Die staunten in den vergangenen Jahren zunehmend über die rasant anziehenden Preise für Werke heimischer Künstler wie Irma Stern oder Gerard Sekoto. Sie wurden von der Szene als Beleg dafür gewertet, dass auch in der Kunstwelt endlich Afrikas Stunde kommt.

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