Ahnung der Ewigkeit

- Bach im Original und im Widerhall der Jahrhunderte - das hatten unter dem flotten Titel "After Bach" Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica für ihr Festspiel-Kammerkonzert zusammengestellt. Am Mittwochabend beglückten sie im Saal des Salzburger Mozarteums damit ein aufmerksames Publikum. Selbstverständlich goutierte es in erster Linie die Originale: Das Violinkonzert E-Dur BWV 1042, das in a-moll BWV 1041 und das hinreißende Doppelkonzert in d-moll BWV 1043, doch ließ es sich auch ein auf Arvo Pärts Nachklang genau zu diesem Konzert - "Tabula rasa" von 1977.

Schönheit und Ebenmaß

Diese Konfrontation geriet natürlich am spannendsten, wobei Kremer Pärts Werk in der Fassung für Violine und Viola wählte. Zusammen mit der Bratscherin Ula Ulijona genoss er nicht nur das geradezu lustvolle Zusammenspiel, das für kurze Zeit beide aus der Einsamkeit erlöst - unterstützt von einem Glockentöne beisteuernden präparierten Klavier und den jungen, technisch perfekten und hoch motivierten Streichern. Im zweiten Satz lässt Pärt die beiden Solisten zunächst fragile "Luftlinien" beschreiben, was beide sehr suggestiv taten, bevor sie ihren eigenartigen Dialog in eine Endlosschleife führten: eine Zerreißprobe für manchen Zuhörer. Aber auch eine Ahnung der Ewigkeit.

In Bachs "Vorlage" musizierte Kremer mit der gerade zwanzigjährigen Geigen-Kollegin Alina Ibragimova, die schon das E-Dur-Konzert mit frischem Elan angestimmt hatte. Hier nun, im an Schönheit und Ebenmaß kaum zu übertreffenden "Doppel" legte sie direkt und unbefangen, im Finale fast ungestüm los. Kremer dagegen agierte verhaltener, sekundierte, und beide - subtil begleitet vom Orchester - gaben dem Werk so einen neuen Anstrich. Weit gelungener als Schumanns B-A-C-H-Klavierfugen - von Paul Angerer übersetzt, in dickem, pappigem Streichersound vorgeführt - erwies sich Piazzollas Bachadaption für den Tango. Seine Fuga y misterio aus "Maria de Buenos Aires" in der klanglich aparten Fassung des mitwirkenden Schlagzeugers Andrei Pushkarev versetzte das Publikum in Hochstimmung: Jubel für Kremer und seine Truppe.

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