Ahnung und Gefahr

- Eine Wiese brennt: Aus dem Bühnenhimmel fliegen wie herablodernde Flammen gelbe und rote Luftballons. Ein Inferno für die Kinder, die dort spielen. Ein Effekt für die Zuschauer, die in der Premiere von der deutschen Erstaufführung "Das Wäldchen" des Norwegers Jesper Halle (49) sitzen.

<P>Ebenso effektvoll, überraschend wie einfach die Begehung eines mit dünner Eisfläche überzogenen Weihers. Die Kinder wissen sich zu helfen - und der Regisseur auch. Dirk Engler und sein Bühnenbildner Peter Dachsel schöpfen aus dem Reichtum der Armut, die im Theater zum üppigen Gebrauch der eigenen Fantasie zwingt und das Publikum mitunter staunen und sich freuen lässt wie Kinder. Denn um Kinder geht es auch in diesem psychologisch sehr fein ziselierten Stück. Ein Thema, das der Gesellschaft unter den Nägeln brennt: der unkontrollierte Spielplatz einer Stadtrand-Wohnsiedlung. Vorschulkinder, die ihre Macht erproben, die miteinander und gegeneinander agieren, die aber auch die Grenzen zum Verbotenen hin, nämlich ins Wäldchen, überschreiten, in dem eines der Mädchen verschwunden bleibt. Kindsmissbrauch durch Erwachsene, hier nie ausgesprochen, schwebt als permanente, existenzielle Gefahr und Ahnung über diesen Jungen und Mädchen. Vielfach verkapptes Motiv alter Märchen, lässt Jesper Halle die Geschichte in seiner Kinderzeit spielen, just zu dem Zeitpunkt, als Jurij Gagarin erstmals durchs Weltall sauste. Und auf anrührend-poetische Weise verknüpft der Autor die Magie der technischen Wunder mit dem Geheimnis der dunklen Bedrohung durch den "schwarzen Mann".<BR><BR>Wenn ausgebildete Darsteller kleine Kinder spielen - das könnte schnell albern werden. Nicht so in der Inszenierung Dirk Englers. Er hat seine elf Akteure fabelhaft gleichberechtigt geführt. Leicht distanziert, nie die Warte der Erwachsenen aufgebend, spielen sie mit Hingabe und viel Witz beispielsweise Jonas (Philipp Denzel), Wuschel (Butz Buse) und Klein-Morgan (Martin Meißner), Anitra (Ana Filipovic) oder Julie Nielsen (Nadja Kruse). </P><P>Bis 24. 6., jeweils 20 Uhr: Theater Halle 7 in der Münchner Waltherstraße 7a; Karten: 089/ 53 29 78 29.<BR></P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort
Das Musikfestival Rockavaria findet am 9. und 10. Juni 2018 wieder in München statt. Die Veranstalter haben das Freiluftspektakel vom Olympiapark an einen ganz anderen …
Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort
Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
Einen abenteuerlichen Weg hat die Liverpooler Band Anathema in zweieinhalb Jahrzehnten zurückgelegt: von ruppigem Doom Metal über düsteren Alternative Rock hin zu einer …
Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ gehört zur DNA des Münchner Gärtnerplatztheaters. Das passende Stück also zur Wiedereröffnung - auch wenn der Abend recht brav ausfällt.
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle
Das wird ein Fest für Trash- und 90er-Fans. Gleich sechs Bands, die im Umz-umz-Zeitalter für Furore gesorgt hatten, treten beim Event „Die Mega 90er live!“ in der …
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle

Kommentare