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Seal mit Heidi Klum

Die Aida Night Of The Proms mit Seal

München - Wenn Christstollen singen könnten – so würden sie sich anhören! Die Klassik-Pop-Sause Night Of The Proms gehört zur Vorweihnachtszeit wie Leb zum Kuchen und wie Rauschgold zum Engel.

Nach Jahren als Handy-Happening („Gemma Nokia schauen!“) verwandelt sich der akustische Adventskalender heuer in ein musikalisches Traumschiff. Reiseveranstalter Aida hat das Ruder übernommen, deshalb steigt in der Olympiahalle noch bis Sonntag erstmals die Aida Night Of The Proms. Aber auch unter neuer Flagge bleibt es beim bewährten Konzept: Das Spekulatius-Spektakel zaubert routiniert Sternwerferstimmung in die bei der Premiere zur Hälfte gefüllte Olympiahalle.

Neben den meist nicht mehr restlos juvenilen Stars, die der Veranstalter jedes Jahr mit erstaunlichem Geschick an Land zieht, lebt die Promserei bekanntlich vor allem von ihren Ritualen, von John Miles („Music“), dem wahren Captain des Musikdampfers, sowie vom ständigen Wechsel zwischen modernem Sound und Klassik. Motto: Pop nach Schmacht. Zur Pop-Abteilung gehört 2011 die wundersam verschlankte Soul-Diva Alison Moyet, die mit „All Cried Out“, dem 80er-Feger „Don’t Go“ und immer noch großartiger Stimme begeisterte.

Die italienischen Grazien Div4s, quasi die vier Tenörinnen, servierten einen Klassik-Kessel Buntes. Chic-Gründer Nile Rodgers („Le Freak“) verwandelte den Kutter in einen glitzernden Disco-Dampfer. Und kurz vor der Hafeneinfahrt enterte Seal die Bühne und erinnerte mit „Kiss From A Rose“ daran, welch begnadeter Soul-Interpret er ist oder sein könnte. Leider schaffte er es auch bei den Proms nicht, sich ganz auf seine Stimme zu besinnen, sondern hetzte als Gute-Laune-Abklatsch-Bär durch die Halle, als seien Heidis Magermodel-Furien auf der Jagd nach Nahrung hinter ihm her oder gar der weiße Hai.

Und, stimmt es nun, das Kreuzfahrt-Motto „Aida macht glücklich“? Aber ja doch – in jedem Fall bei den berührendsten Minuten des Abends, als das Bordorchester Il Novecento den überlebensgroßen Filmausschnitt von „The King’s Speech“ mit der Rede von Colin Firth als König Georg VI. live mit dem Allegretto aus Beethovens Siebter unterlegt. Großartig! Hier kann sich nicht einmal die Weihnachtsgans in der Röhre ihrer Gänsehaut erwehren. Im Vergleich dazu konnten das Bocelli-Cover der Div4s oder die braven Boyband-Hits von Stanfour nur abfallen. Trotzdem alles in allem ein unterhaltsamer Klassik-Pop-Mix, diese James-Last-Christmas.

Jörg Heinrich

Weitere Konzerte bis 11. Dezember;

Telefon 0180/ 54 81 81 81.

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