Akademie: Bildnis der Dichterin

- "Zum ersten/ musst du glauben,/ dass es Tag wird,/ wenn die Sonne steigt,/ Wenn du es aber nicht glaubst,/ sage ja." Die Dichterin Ilse Aichinger gehört wie der Fotograf Stefan Moses der Bayerischen Akademie der Schönen Künste an. Zu ihrem 85. Geburtstag am 1. November gibt es ein interdisziplinäres "Fest", und zwar die Ausstellung "Ilse Aichinger ­ Fotogeschichten von Stefan Moses" (Münchner Residenz).

Der 1928 Geborene (Schlesien) und die 1921 Geborene (Österreich) sind seit Jahrzehnten befreundet ­ die ersten Fotografien stammen aus den 70er-Jahren ­ und teilen das Schicksal: Als Kinder eines jüdischen und eines christlichen Elternteils überlebten sie mit Müh und Not die Nazi-Zeit. Moses bekennt: Die "wunderbare ,Spiegelgeschichte’ berauschte mich schon früh". Dieser Text reflektiert künstlerisch jenes gefährdete Sein. So ist Moses Blick mit inniger Aufmerksamkeit auf sein Gegenüber gerichtet: im Wald, auf der Wiese, in der Wohnung, mit den Kindern und Freunden, mit der Zwillingsschwester oder im Kaffeehaus.'

Moses hat Serien zusammengestellt, auch mit unveröffentlichten Aufnahmen, die nicht nur einen Lebenslauf begleiten, sondern zugleich deutlich machen, wie Ilse und Stefan durch das Fotografieren in einem besonderen Gespräch bleiben ­ vom Blödeln bis zum Philosophieren. Und bis in die Nähe der Hinfälligkeit, des Todes. Aichinger im Rollstuhl ­ ihr Freund aber zaubert in gekippten Bildern daraus eine verrückte, lebenstrotzige Dynamik.

Bis 7.1.07, Di.-So. 10-17 Uhr, Tel. 089/ 29 00 770. Buch, S. Fischer Verlag: 29,90 Euro.

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