Akkurates Arkadien

- Still ruht der See, weit dehnen sich Felder und Wiesen, durchzogen von leicht gekrümmten Wegen und Wagenspuren, bestückt mit kahlen Scheunen, einzeln oder in Gruppen, möglichst an Spannungspunkten oder in perspektivisch ergiebiger Anordnung mit ihren Licht- und Schattenseiten: kubische Nutzbauten probaten Formates, im Hintergrund das Blau der Bergrücken und darüber ein diesiger Himmel, selten mal ein unruhiges Gewölk. Dort, zwischen Münsing und Seeshaupt am Starnberger See, fand der heute 63-jährige Maler Reiner Wagner, Sohn eines Hildesheimer Dirigenten und selber musikalisch eingeübt, Anfang der 70er-Jahre sein akkurat gegliedertes Arkadien, das Orplid der Stille in einer laut gewordenen Welt, nach seiner Münchner und Berliner Akademiezeit.

Der wachsenden eigenen Familie wegen verließ er 1969 nach vier ergiebigen Jahren zusammen mit seiner Frau das abgeschiedene Dorf auf Korsika, in das er auch heute immer wieder zum Malen zurückkehrt, und wurde auf Dauer ansässig in einem Weiler bei St. Heinrich.

Die Galerie der Bayerischen Landesbank in München realisierte jetzt den bereits vor zehn Jahren gefassten Entschluss, diesen durchaus erfolgreichen Maler einmal umfassend vorzuführen. Von den 92 aufgelisteten Ölbildern, Aquarellen und grafischen Arbeiten dieser Ausstellung kommt das meiste aus Privatbesitz; nur 15 Bilder sind verkäuflich.

Jede Anwesenheit von Lebewesen würde die abstrahierende Akkuratesse dieser Landschaften nur stören. Auf Korsika findet Wagner ähnlich klare Gliederungen und kubische Hausformen wie in seiner Umgebung des Alpenvorlandes. Zwischendurch bestätigt er sich in Stillleben: in der Vereinzelung von Blüten, Früchten, Gefäßen und Gegenständen des Ateliers. Seine Kontemplationen halten sich ans Dreidimensionale, ans Körperhafte im Raum. Die Vorbilder heißen Chardin, Cézanne und schließlich Morandi. Die Moral des Schlichten fand in Reiner Wagner einen poetisch und musikalisch gestimmten, verlässlichen und würdigen Adepten.

Bis 2. April, täglich 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt, Katalog: 20 Euro.

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