Aktiver Melancholiker

- "Die Kunst ist oft ein großer Ärger, doch nicht beim Josef Oberberger", reimte einst Eugen Roth. "Obé´" selber notierte, als er 75 wurde: "Ich hab mich zwar immer gesucht, aber Gott sei Dank - nicht gefunden: der Zweifel als Methode."

<P>Mit über 80 Aquarellen und Zeichnungen erinnert das Tegernseer Olaf-Gulbransson-Museum an einen ganz und gar Zugehörigen. Josef Oberberger (1905-94) war Meisterschüler, enger Freund und 1945-74 Nachfolger Gulbranssons als Münchner Akademieprofessor. "Olaf glaubte an mich. Ich muss Olaf danken", sagte "Obé´" in einem späten Gespräch über seinen Meister. Als seine Götter bezeichnete er "die alten Chinesen, Laotse und die Zen-Maler, Rembrandt, Adriaen Brouwer, Wilhelm Busch und die Franzosen Degas und Lautrec - zuletzt Picasso".</P><P>"Man müsste hier Rembrandt sein _ Menzel reicht nicht mehr aus", schrieb Oberberger an Gulbransson 1941 in einem Brief aus Russland, wo er das Leiden der Bauernfamilien und deren Behausungen malte, die Weite der friedlich erscheinenden Landschaft unter den angreifenden Kampfflugzeugen.</P><P>Wie ein Degas sah er 1939 eine Liegende in ihrem Badeanzug, als Huldigung an Cé´zanne aquarellierte er 1979 in Blaugrün, Rötlich und Bräunlich sich selber, schließlich in der Nähe zum selbstkritisch zweifelnden alten Picasso im Ausdruck des Tragikers, des Skeptikers.</P><P>Wie der alte Rembrandt zog Oberberger die Summe: als ein aktiver Melancholiker, als bayerisches Weltkind, als ein Diogenes, der mit der Laterne herumläuft, um nach Menschen zu suchen. Bei seinem Begräbnis wurden Verse seines Hausdichters Franç¸ois Villon gesprochen, das so genannte "Ave Maria" in freier Nachdichtung.</P><P>Ein weiteres, ein ganz großes Thema wäre der Glasmaler Oberberger, zu bewundern in den Domen von Naumburg, Luxemburg, Augsburg, Regensburg und Washington, in der Mensa der Münchner TU wie im Bayerischen Staatsarchiv und im Chor der gotischen Kirche von Bobingen. Dazu der Wandmaler, der Illustrator, der Ausstatter und Plakatkünstler der "Schwabylon"-Feste.</P><P>Die Tegernseer Ausstellung holte Leihgaben aus dem Nachlass des Reutlinger Textilfabrikanten Heinzelmann ans Licht und ganz Erstaunliches aus dem Besitz der Staatlichen Graphischen Sammlung.</P><P>Bis 4. Mai, täglich außer montags, 11-17 Uhr. Begleitbuch 15 Euro, Tel. 08022/33 38</P>

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