Akustik-Probleme wie in München

- Womöglich war die Nähe des Zoos entscheidend. Als hätten sich drei gigantische Küchenschaben zur Besprechung getroffen, so nimmt sich das Kulturzentrum beim Anflug auf Rom aus. Ein Anflug, der gerade noch rechtzeitig abgewickelt werden konnte: Kurz vor dem Tod des Papstes, kurz bevor die Stadt in den Ausnahmezustand fiel, gastierte dort das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks mit Chefdirigent Mariss Jansons.

<P class=MsoNormal>Für ihn und das Orchester ein Saal-Debüt: Die drei flach geschwungenen, grauen Gebäude wirken mehr funktionell als attraktiv. Gruppiert sind sie um einen Innenhof und verbunden durch ein langes Gangsystem, das von Musikern und Instrumenten-Transporteuren Orientierungsvermögen und Kondition fordert. Star-Architekt Renzo Piano hat dieses Ensemble, den "Parco della Musica" entworfen. Eröffnet wurde er im Dezember 2002 als neue Heimat der Accademia di Santa Cecilia.</P><P class=MsoNormal>Dass die Akustiker der Münchner Philharmonie auch hier, am Rand der Innenstadt und zwei Kilometer nördlich der Piazza del popolo, beteiligt waren, schafft heimatliche Verbindungen, lässt indes Unheilvolles ahnen. Bei der Anspielprobe zeigt das leere Auditorium mit seiner dunklen, rötlichen Holzvertäfelung die üblichen Macken: einen Hang zur Überakustik, auch zum Dröhnen. Doch später, wenn fast alle 2800 (!) Plätze des eckigen Ovals belegt sind, bleiben die Probleme.</P><P class=MsoNormal>Dvorá´ks achte und Brahms zweite Symphonie tönen seltsam körperlos, als habe man sie ihres Fundaments beraubt. Die Musik, obwohl trennscharf balanciert, scheint auf der riesigen Bühne gefesselt und nicht zum Publikum vorzudringen. Es klingt wie der Gasteig mit Hall. "Der Saal hilft nicht mit", so ein Kontrabassist danach. "Man muss viel tun, aber wir haben alles gegeben."</P><P class=MsoNormal>Und das spürten die Römer. Schon zwischen den Dvorá´k-Sätzen konnte mancher - obwohl von "Experten" niedergezischt - seinen Applausdrang nicht zurückhalten.</P><P class=MsoNormal>Nach der Achten, vor allem aber nach Brahms' Zweiter und den beiden Zugaben dann Jubel, vereinzelt auch Ansätze zu Standing Ovations. Jansons, ohnehin stets mit viel Herz und Emotion dirigierend, gab sich an diesem Abend besonders agil, schien geradezu jungenhaft gelaunt. Die Musik federte, hatte Eleganz, viel Charme. Dvorá´ks Symphonie wurde substanzreich, aber immer geschmeidig entwickelt. Bei Brahms spielten die BR-Symphoniker hochflexibel, intensiv, ohne Überdruck, offerierten im dritten Satz Holzbläser-Zaubereien. Eine Interpretation, die Klischees widerlegte: Brahms, der "so norddeutsch brummt", wie Hans Werner Henze in dieser Zeitung mäkelte? Der Komponisten-Kollege, höchstselbst Zuhörer im Saal, wurde belehrt: Brahms, so demonstrierten die Münchner, war ja eigentlich Südländer.</P><P class=MsoNormal>Viel mussten die begeisterten Römer für die Tickets nicht zahlen. Neun Euro kostete zum Beispiel ein Platz in Reihe 14. Der Grund: Die Region Latio gibt sich gern kulturfreundlich. Zusammen mit Privatsponsoren wurde also ein hochsubventionierter Abend beschert - Brot und Spiele à` la 2005. Nicht ganz uneigennützig, wie eine römische Zuhörerin lachend vermutet: "Die wollen doch alle wiedergewählt werden."</P>

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