Alarmstufe drei

- Endspurt der Theatersaison 2004/ 05. Die Bühnen bereiten sich längst schon auf die nächste Spielzeit vor, die ersten Premieren sind gebongt. Da ist es verwunderlich, dass das Staatstheater am Gärtnerplatz, bei dem man derlei Verzögerung bislang nicht gekannt hat, noch keine Spielplanvorschau veröffentlicht hat. Alarmstufe eins oder gar schon drei? Worum geht's?

Der Vertrag von Gärtnerplatz-Intendant Klaus Schultz endet im Jahr 2007. Ungewöhnlich ist, dass bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht feststeht, ob er verlängert wird oder nicht. Eine Situation, die die Gerüchteküche kochen lässt. Daran ist Kunstminister Thomas Goppel durchaus nicht unschuldig. Es heißt, er wolle die künstlerische Ausrichtung des Theaters ändern, den Spielbetrieb herunterschrauben auf ausschließlich Operette und Spieloper.Kann man alles machen. Nur wäre eine längerfristige Planung dafür Voraussetzung. Nur müsste man sehr genau wissen, wo im Lande der Theatermensch zu finden ist, der dafür genau der Richtige wäre. Einfach sehr bequem nur um die Ecke, in die Nachbarschaft Augsburg zu schauen und dort den Intendanten des Drei-Sparten-Stadttheaters abzuwerben, um ihn in München zu inthronisieren, das ist nicht nachzuvollziehen. Wodurch auch immer Ulrich Peters sich in den Augen Goppels für München profiliert haben mag - geht man von Augsburg selbst aus, kommt man partout nicht drauf. Zudem muss gefragt werden, ob das Kunstministerium wirklich bereit wäre, Peters zum Vertragsbruch zu bewegen. Denn in Augsburg ist er noch bis 2009 verpflichtet. Die möglichen Folgekosten eines solch voreiligen Intendantenwechsels interessieren offenbar nicht.Und wohl auch nicht die künstlerischen Folgen, die eine Reduzierung des Gärtnerplatz-Repertoires mit sich brächte. Das beträchtliche Ansehen, das dieses Haus hat, der gute Ruf als Hort eines großartigen Ensembles wurden einst von Intendantenlegende Kurt Pscherer erwirtschaftet: indem er Operette und große Oper, Musical und Zeitgenössiches spielte, also Verdi, Janá´cek und Offenbach, Mozart, Lehá´r und Henze. Denn die Fachleute wissen: Man singt besser Operette, wenn man Mozart singt; man singt besser Mozart, wenn man Neues singt.Und überhaupt: Was ist es für eine ministerielle Arroganz, wenn man ernsthaft überlegt, Münchens zweite Oper, deren Zuschauer nicht zum Geldadel zählen, auf den Anspruch von 1960 herunterzufahren? Sind sie weniger wert? Darüber sollte nachgedacht werden, wenn es um die Zukunft des Gärtnerplatztheaters geht.

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