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Albrecht von Weech mit Puppe Malefizlibuzli.

Großes Merkur-Interview

Albrecht von Weech: „Das Spielerische hält jung“

München - Albrecht von Weech ist alles: Showmensch, Sänger, Benimmcoach und Marionetten-Vater. Am Freitag lädt er ab 19.30 Uhr in den Innenhof des Münchner Künstlerhauses zu einer Venezianischen Nacht. Wir sprachen mit dem Münchner Original über diesen Abend und warum er gerne dem Wahnsinn verfällt.

Warum entführen Sie nach Venedig?

Mein Großvater ist dort heimlich geboren – eine längere Geschichte. Meine Urgroßmutter hat ihn als ihr Kind anerkannt. Venedig ist für mich aber auch eine mystische Stadt, eine untergehende Welt. Sie ist eine alte Kultur, die man nicht nur sehen sollte. Man muss sie fühlen.

Wie versuchen Sie diese Magie ins Künstlerhaus zu holen?

Von meiner Frau – sie ist Italienerin – habe ich zwölf Lieder gelernt. Sie versprühen alle dieses gewisse Gefühl, aber nicht das von Eros Ramazzotti! Der Sänger Lucio Dalla ist einmal an den Checkpoint Charlie gefahren: In „Futura“ besingt er den deutschen Mist, den wir mit der Zonen-Grenze durchgemacht haben. Dass wir friedlich wie die Kühe in diese Hitler-Verlängerungsgeschichte geraten sind!

Und was hat das mit Ihrer Venedig-Nacht zu tun?

Dalla hat ein Lied über ein deutsches Schicksal geschrieben, jetzt huldige ich damit der italienischen Kultur.

Helfen Ihnen dabei Ihre Puppen?

Ich bringe mein Bauchladentheater vom Kaltenberger Ritterturnier mit. Dort spiele ich seit 15 Jahren den Kuriositätenhändler. Das Theater ist so groß wie eine Schuhschachtel und meine Figuren wie die Rosalina Pincopallina sind klein wie ein Finger. In dem Lied „Rosalina“ von Fabio Concato geht es darum, dass sie zu dick ist. Doch ihr Angebeteter findet das nicht – ein schönes Lied! (Lacht.)

Ihre großen Puppen zaubern Sie selbst, die kleinen auch?

Teils. Manche habe ich in Venedig gekauft. Ich bringe auch große Figuren mit, die Meerjungfrau Skylla und den Mann aus dem Meer, Malefizlibuzli.

Würden Sie sich als verspielt bezeichnen?

Ja, ich empfinde das als große Tugend. Oft heißt verspielt: „Hach, der ist kindisch, der sollte mal Verantwortung übernehmen.“ Dabei hält uns das Spielerische jung.

Verfallen Sie auch mal dem Wahnsinn?

Ich persönlich bin nicht wahnsinnig, aber ich sehe ihn bei anderen mit Bewunderung. Auf der Bühne bin ich gerne ein Wahnsinniger, der sich auf keinen Fall ernst nimmt. Kunst, die sich ernst nimmt, finde ich unerträglich.

Ihre Puppen strotzen vor Charakter. Wünschen Sie sich das von den Menschen auch, dass sie mehr Charakter zeigen?

Die sollen alle graumäusig bleiben! Sie sollen in der U-Bahn hocken und schlechte Laune verbreiten! (Lacht.) Ich möchte die Leute inspirieren. Ich möchte die Menschen zu dem führen, was sie glücklich macht: Es ist das Kleine, Schöne, Nette – nicht das große Auto.

Wenn Sie diesem Individualismus frönen, wie können Sie gleichzeitig als Benimmcoach arbeiten?

Benehmen hat nichts mit Steifheit zu tun. Abgespreizte Finger sind bürgerlicher Quatsch. Gutes Benehmen bedeutet, den anderen zu respektieren. Das heißt auch, nicht voreinander rumzupupsen – weder im geistigen noch im physischen Sinn. Wenn man das beherrscht, braucht man keine Angst zu haben, etwas falsch zu machen.

Wenn Sie in einer Bar die Gäste betrachten – was stößt Ihnen sauer auf?

Wenn mir die Körpersprache eines Menschen nicht gefällt, gehe ich nicht zu ihm hin. Körpersprache bedeutet auch, dass ich weiß, woher die Person kommt. Ist sie ein Prolet? Ist sie ein guter Mensch?

Ist die Körpersprache wichtiger als die Kleidung?

Im ersten Augenblick nicht, aber ich sehe sofort, ob das Sakko auf einer schlampigen, ordinären Schulter hängt. So erkennt man auch, ob jemand mit sich im Reinen ist. Erst wenn man zufrieden ist, kann man anderen Leuten helfen.

Das Gespräch führte Angelika Mayr.

(Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Festsaal statt, Karten: Tel. 089/54 81 81 81).

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