Und alle lauschen

- Eigentlich hatte sich Dietrich Fischer-Dieskau ja bereits vor mehr als zehn Jahren von der Opernbühne verabschiedet, ganz losgekommen von der Musik ist er dennoch nicht. Und warum auch? Denn dass er selbst noch im stolzen Alter von 80 Jahren sein Publikum zu fesseln versteht, davon konnte man sich am Sonntag bei einer Matinee im Gärtnerplatztheater ein Bild machen. Bei einem Konzert, das weit mehr war als ein wehmütiger Nachklang vergangener Tage.

Hat man dem Liedsänger Fischer-Dieskau auch oft vorgeworfen, er würde zuweilen den Text über die Musik stellen, ist es gerade diese Eigenschaft, die ihn nun zum idealen Interpreten der Melodramen von Viktor Ullmann und Arnold Schönberg macht. Wobei ihm die deutsche Muttersprache bei Ullmanns "Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" naturgemäß mehr entgegen kam als die Worte Lord Byrons, auf denen Schönbergs "Ode to Napoleon Buonaparte" beruht.

"So fügt er seine Worte . . . und alle lauschen" heißt es im "Cornet". Und so wie es Fischer-Dieskau hier gelang, jedem der auftretenden Charaktere durch feinste stimmliche Nuancen ein eigenes Gesicht zu verleihen, wie er halb singend, halb sprechend jedes Wort auf die berühmte Goldwaage legte, lauschte man ihm gerne. Und beobachtete ihn, wie er mit strengem Blick über das aus Mitgliedern des Gärtnerplatz-Orchesters rekrutierte Streichquartett wachte, das ihn zusammen mit seinem langjährigen Klavierpartner Hartmut Höll konzentriert und einfühlsam begleitete.

Wie bei den Liedaufnahmen von Fischer-Dieskau und Höll war auch hier ein gegenseitiges Geben und Nehmen zu erleben. Die alte Streitfrage, wem nun der Vorrang gebührt, dem Wort oder der Musik, stellte sich bei zwei kongenialen Partnern wie diesen zu keiner Sekunde.

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