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Recht munter und doch nur schöner Schein: Milena Dopitova nennt ihre Multimedia-Installation zwischen Tanz und Volleyball-Training „Ich, habe ich, komm, ich, ich gehe!“.

Ausstellung

Alle Lust will Ewigkeit

München - „Luxus und Vergänglichkeit“: Die Münchner Künstlervereinigungen gestalten erstmals eine Biennale im Haus der Kunst.

Luftschlangen, bunte Neonbuchstaben in allen Größen und Schrifttypen – fröhlicher Empfang bei einer Ausstellung. Das macht gleich Lust auf mehr, zumal die weißen Kugelballons (Sabine Bretschneider) links am Boden und der schwarze Teppich mit der typischen Tatort-Umrisszeichnung (Timm Ulrichs) rechts am Boden einen auch nicht schlecht anstacheln. Dass trotz vitaler „Show“ nachgedacht werden soll und darf, bekommt der Betrachter mit, wenn er Michael Hofstetters Licht-Installation entziffert hat: In Theodor Adornos Formulierungs-Schwurbel-Satz „Die Wirklichkeit der Kunst zeugt für die Möglichkeit des Möglichen“ hat der Künstler ein bissl „EWI(gkeit)“ in die „Wirklichkeit“ geschmuggelt, und „zeugt“ können wir als „sorgt“ lesen.

Mit solch einem augenzwinkernden Kommentar zur eigenen Arbeit startet die 1. Biennale der Künstler im Haus der Kunst. Nach über 60 Jahren wurde mit diesem Neuanfang die Große Kunstausstellung (GKA) ersetzt. Die Vereinigungen Münchener Secession, Neue Gruppe und Neue Münchner Künstlerschaft, die die Ausstellungsleitung der GKA bilden, haben sich damit von ihrem mal mehr, mal weniger gelungenen Mitglieder-Schaulaufen getrennt. Die gelungene Biennale-Premiere, die mit Finanznöten zu kämpfen hat, ist paradoxerweise dem Überfluss gewidmet. Kuratoren Eva Ruhland und Pavel Zelechovsky haben 40 Künstler unter dem Titel „Vanity Flair – Luxus und Vergänglichkeit“ im Westflügel des Hauses der Kunst versammelt.

Diese Bezeichnung spielt mit dem „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ (vanity fair) genauso wie mit dem alten Symbol der Vanitas (hohler Schein, Nichtigkeit), also mit der Mahnung an den Tod, sowie mit der Todsünde der Verschwendungssucht. Deswegen verwandelt Goldschmied Karl Fritsch die Sieben Todsünden in wilde Ring-Miniskulpturen. Seine Goldschale, die an eine Schädelkalotte erinnert, verweist auf Rose Stachs Wühl-Genuss in Schmuck. Ihren Film – Hände kruschteln in Klunkern – spiegelt sie mehrfach im Kaleidoskop. Was zunächst nur ein hübscher Effekt zu sein scheint, fasziniert mehr und mehr: mit immer anderen – mal skurrilen, mal obszönen – Varianten. Noch radikaler antiluxuriös packt Olaf Probst den Luxus an: ein paar Vitrinen, aber weit und breit nicht die klitzekleinste Preziose. Dafür eine Grafik, mühseligst in Kreisen beschriftet, die er „Luxus: der verfehlte Liebesakt“ nennt. Damit ist dem Luxus der Todesstoß versetzt; er hat sich folglich als winziger Schriftzug „luxussuxul“ auf Einwickelpapier verkrümelt. Und der Betrachter darf suchen, wo Probst es bei seiner Installation versteckt hat.

Die Schau beweist schon hier: Künstler interessiert der Luxus im herkömmlichen Sinn nicht sonderlich. Viel mehr ist die Kehrseite gefragt. Mit zwei Waschbecken erzählt Timur Dizar vom Luxus Wasser und vom Luxus Öl. Bei ihm fließen sie jedoch zusammen aus dem Hahn – und symbolisieren den Tod. Der ist bei der 1. Künstler-Biennale omnipräsent. Ob als Pärchen auf der Hochzeitstorte von Patricia Wich, ob als Ohrschmuck von Doerthe Fuchs, ob als verfaulende Pflanzen in Daniel Brägs Einmachgläser in Kühlschränken oder als Horrortier-Mutanten von Ulla Reiter. Leben ist Wachstum ist Sterben ist Verwandlung – so lautet die Argumentationskette, die den Tod human macht.

Das kalte Grauen – auch der Fäulnis – wagt nur Karl Schleinkofer, in Foto und Zeichnung zu zeigen; und man weicht schnell zurück. Verlöschen, Schrumpfen, Verschwinden im schwarzen Nichts schildern Clea Stracke und Verena Seibt in ihrem ganz herausragenden Video „The End“ über einen Sterbenden. Auf die Wand projiziert, gewissermaßen ein belebtes Fresko, packt es uns direkt. Neben diesen heftigen „Memento-mori“-Werken (gedenke des Todes) steht das Gedenken der Toten: Joss Bachhofer hat sich in den wilden Osten aufgemacht und zeigt eine Diaschau: all die privaten Gedenkstätten für Verkehrstote in knorriger Natur. Stefanie Unruh erinnert mit einem Animationsfilm aus gezeichneten Frauenporträts an 16 ermordete Journalistinnen. Berührend ist das, aller Ehren wert, aber in der Umsetzung zu flach und mit den Chopin-Klängen ein bisschen kitschig. Dann schon lieber Franz Ehmann mit seiner raumfüllenden Zeitungsflut, der Masse und kurze Halbwertszeit von Nachrichten thematisiert. Wie schön, dass Zeitungen optisch mehr hergeben als alle Bytes...

Bis 4. Oktober,

täglich von 10 bis 20 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr; Telefon 089/ 22 26 55.

Simone Dattenberger

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