Alle stehen vor Gericht

- Starke Mädchen treffen sich zurzeit auf der Bühne der Otto-Falckenberg-Schule am Münchner Leonrodplatz - und auf Thebens Agora. Lilli-Hannah Hoepner (4. Jahrgang) hat Sophokles' "Antigone" als Diplominszenierung vorgelegt. Ihr Team: Schauspielschüler und die zwei Profis Jutta Masurath (Eurydike) und Anna Kurek (Teiresias). Für das Spiel ums Rechthaben (bis zum Tod) schuf David Hohmann einen schlichten, wirkungsvollen Platz aus Schilfmatten-Umzäunung und weißen Plastikgartenmöbeln. Hoepner hält sich klug an Sophokles, obwohl sie eine eigene Fassung erstellt hat. Die ist genauso wenig ego-aufdringlich wie ihre Kostümwahl: unauffällige Kleidung von heute.

<P>Die Inszenierung arbeitet deutlich die Gerichtssituation heraus, schließlich diskutiert der alte Grieche mehrere Schuldfragen und Normauffassungen. Die Regisseurin schickt die Schauspieler an die "Front" - Aug in Aug mit den Zuschauern. Auf sie wird eingeredet wie auf Geschworene in US-Prozessen. Hoepner tippt die Assoziation TV-Gerichtsshow an, ohne dem Spektakel zu verfallen. Das wird konsequent weitergetrieben, bis Kreon (Florian Schmidt-Gahlen) am Ende vom Publikum ausdauernd seine Verurteilung fordert.<BR><BR>Mit tiefem Ernst und schöner Aufrichtigkeit setzen neben ihm Antje Schmidt (Antigone), Britta Hammelstein (Ismene), Marco Massafra (Haimon), Samia Baghdadi (Chor) und Danny Exnar (Wächter/ Bote) Hoepners Konzept um. Auch wenn die Körpersprache bisweilen noch floskelhaft ist und Sprechtechnik sowie die Behandlung der zum Teil schwierigen Textpassagen noch nicht ganz sitzen, überzeugen die jungen Schauspieler, gelingen ihnen berührende Szenen. Insgesamt eine "Antigone"-Inszenierung, die man trotz missglückten Musikeinsatzes und ein paar unmotivierter Einfälle mindestens so gerne anschaut wie die "große" Schwester in den Kammerspielen.<BR></P><P>Noch am 8., 11., 12., 16., 18. und 19. 6., je 20 Uhr, Dachauer Str. 114, Tel. 089/23 39 66 00, 23 33 70 82.</P>

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