Allein unter Frauen

- Dass man bei der Harfe im Gegensatz zum Flügel direkten Kontakt zu den Saiten hat, sie direkt mit den Fingern zupft, anstatt sie über Tasten zu bedienen, schätzt Anton Sie (22)aus den Niederlanden, Teilnehmer des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs in der Kategorie Harfe, an seinem Instrument besonders. Er ist unter den 18 angetretenen Harfe-Kandidaten der einzige Mann. Das sei er schon gewohnt, sagt er. Ob die Harfe etwas spezifisch Weibliches an sich habe? Darauf könne er keine Antwort geben, er vermute, dass gesellschaftliche Konventionen dafür verantwortlich seien, dass es so viele Harfenistinnen gebe. "Die berühmten Solisten sind dannaber oft Männer", wendet er ein.

<P>Anton Sie hat die Harfe durch seine ältere Schwester kennen gelernt und mit sechs Jahren angefangen, Unterricht zu nehmen. Er bedauert, dass das Solo-Repertoire für dieses Instrument so dürftig sei. Dafür komme die Harfe im Orchester sehr gut zur Geltung, besonders bei Ravel und Debussy. "Es gibt auch Jazz- und Pop-Harfenisten, aber ich finde, dass dieses Instrument für so was einfach nicht geeignet ist." </P><P>Für den ARD-Wettbewerb übt Anton Sie statt den üblichen vier bis sechs gleich acht Stunden am Tag. Ob er's bis zum Finale schafft? Die Konkurrenz sei groß, wie sich schon an dem Applaus zeige, der aus dem Kleinen Konzertsaal der Musikhochschule regelmäßig zu hören sei. Anton Sie ist bei den Auftritten seiner Kontrahentinnen nicht anwesend, das bringe ihn nur aus der Ruhe, sagt er. </P><P>Filigrane Klangwelten erschließen sich den Zuhörern, wenn die Finger mit den Saiten in Berührung kommen: Vor allem die bekannten Konzertetüden und die moderneren Werke reizen alle klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten des Instrumentes aus. Damit noch nicht genug: Miriam Schröder, eine deutsche Kandidatin, versteht es, gleichzeitig Harfe und Schlagzeug zu spielen. Rund um ihr Instrument sind Becken, Bongos, Triangel und Co. aufgebaut, die sie abwechselnd oder gar gleichzeitig mit den Harfensaiten bedient, elegant, mit theatralisch ausholenden Bewegungen. Das Publikum ist begeistert. Kein Wunder, solche Harfenklänge bekommt man nicht alle Tage zu hören. </P><P>Wenn man die Harfenistinnen an ihrem mannshohen Instrument so betrachtet, wie sie es mit ihrer Schulter abstützen, es sorgsam umarmen, erinnert man sich unwillkürlich an Darstellungen von der Frau am Spinnrad. Also hat die Harfe doch etwas spezifisch Weibliches an sich? Vielleicht.<BR><BR></P>

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