Vor allem Elektrizität: Ein Interview mit Staatsballett-Solist Tigran Mikayelyan

München - Er gehört erst seit zwei Jahren zum Bayerischen Staatsballett. Aber das Publikum hat Tigran Mikayelyan längst schon in sein Herz geschlossen. Es hat erkannt, was für eine Tänzer-Persönlichkeit der 26-jährige Armenier ist, der ab der kommenden Spielzeit einen Vertrag als Erster Solist in der Tasche hat. Durch ihre vielen Zuschriften haben Zuschauer und Leser Tigran Mikayelyan den diesjährigen Merkur-Theaterpreis zuerkannt.

Sie kommen aus Erewan. Können Sie einen Witz erzählen?

Ja, natürlich. Im Winter, als die Gehälter sehr niedrig waren, läuft ein Huhn die Straße entlang. Da kommt ein Arbeiter, der sehr hungrig ist, sieht das Huhn und sagt: "Ich möchte so gerne deine Hühnchen-Schenkel essen." Und das Huhn antwortet: "Wie möchtest du denn meine Schenkel kaufen, wenn du nicht einmal meine Eier bezahlen kannst!"

Erewan ist in der Welt berühmt für seine Witze. Lacht man bei Ihnen zu Hause auch darüber?

Wir lachen in Erewan auch. Es gibt ja den Sender Erewan, der die Witze aus den verschiedensten Gegenden erzählt.

Als Sie 1997 nach Zürich kamen, wie war das für Sie?

Ein großer Schock. Überwältigend die Elektrizität und das heiße Wasser. Bis 1991, unter den Kommunisten, hatten wir das in Armenien auch, Licht und Warmwasser. Aber mit der Auflösung der Sowjetunion, mit dem Umbruch gingen erst einmal alle Lichter aus. Es gab keine Elektrizität. Die Menschen sind wirklich in die Wälder gegangen, um für den Winter Holz zu hacken.

Sie sind noch immer sehr verbunden mit Ihrer Heimat.

Am 16. Juli ist meine letzte Vorstellung in München, "Das Lied von der Erde", danach fliege ich nach Erewan. Und dort gebe ich zwei Vorstellungen, am 29. und 30. Juli, zusammen mit meiner armenischen Tanzgruppe. Wir sind fünf Freunde; zwei sind Erste Solisten in Zürich, ich bin in München, einer ist Erster Solist in Hamburg und einer in San Francisco. Und ab und zu treffen wir uns in Erewan.

Was bedeutet es für Sie, einen Preis zu bekommen?

Wir Tänzer wissen, dass wir körperlich sehr viel tun müssen und doch nur eine kurze Zeit haben. Es ist ja nicht das Schwierigste, nach oben zu klettern, es ist schwer, oben zu bleiben. Darum ist diese Wertschätzung so wichtig, und dass das Publikum spürt, was man leistet. Ich habe mich schon über die Nominierung zum Theaterpreis gefreut, das allein schon war eine große Ehre für mich. Ein passender Zufall: Ich werde in diesem Jahr auch in Armenien mit einem Preis, der größten armenischen Auszeichnung, geehrt.

Die Proben für das Ballett "Sturm" - Premiere ist im Herbst - haben gerade begonnen. Was ist Ihnen lieber: Handlungsballett oder Modern Dance?

Mein Herz gehört dem klassischen Repertoire. Aber man braucht das Moderne, um sich zu entwickeln, weil man dabei ganz andere Muskeln aktiviert.

Das Gespräch führte Sabine Dultz

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