Allen Wettern gewachsen

- "Gerade auf Gut Immling, wo jeder seinen Aufgabenbereich hat, aber doch auch für den andern ein bisserl mitverantwortlich ist, muss man einfach ein Rundum-Mensch sein und viele Sachen gleichzeitig machen können." Die in London in Gesang und Musikpädagogik ausgebildete 26-jährige Sopranistin Felicitas Fuchs weiß, wovon sie spricht. Gleich nach ihrem Studienabschluss vor drei Jahren bewarb sie sich auf Gut Immling im Chiemgau für ein Vorsingen.

Sozusagen ein Heimspiel, denn ihr Heimatort Prien liegt nur wenige Kilometer entfernt am Chiemsee - und sängeruntypisch: Vor Wind und Wetter hat die leidenschaftliche Seglerin und Skifahrerin auch keine Angst.

Besetzt wurde Felicitas Fuchs damals gleich für die Papagena in der "Zauberflöte" für Kinder, und seitdem ist sie mit dem Opernfestival auf Gut Immling eng verbunden. Zudem bot ihr Intendant Ludwig Baumann auch die Leitung des künstlerischen Betriebsbüros an, eine Herausforderung, zu der die temperamentvolle Felicitas Fuchs nicht Nein sagte. "Denn es ist ein Bereich gewesen, der mir sehr lag. Die Kommunikation mit anderen, mit Organisationen zusammenzuarbeiten, mit Künstlern Verträge auszuhandeln, mit Agenten über die Gagen zu streiten, das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Weniger das Streiten als grundsätzlich die Organisation und das Geschehen hinter der Bühne. Aber das Singen war dann doch im Vordergrund."

Also steht Fuchs in diesem Jahr wieder auf der Immling-Bühne und gibt heute ihr Debüt als Pamina in der Premiere von Mozarts "Zauberflöte". Überhaupt ist 2006 bisher ein Erfolgsjahr für sie. Vor drei Monaten gewann sie beim BR-Musikzauber-Liedwettbewerb "La Voce" den zweiten Preis (ein erster wurde nicht vergeben) und den Lutoslawski-Sonderpreis für die beste Interpretation eines zeitgenössischen Liedes. Zum ARD-Musikwettbewerb im Herbst in München ist sie bereits in der Sparte Liedgesang zugelassen.

"Pamina ist eine starke Persönlichkeit."

Felicitas Fuchs

Auch bei den Bad Reichenhaller Musikfestspielen wird man sie mit Liedern hören, darunter mit einem, das Aribert Reimann eigens für sie komponierte. Und außerdem geht sie im Februar 2007 als Einspringerin für Juliane Banse auf eine dreiwöchige "Cape Classic"-Tournee durch Südafrika. Doch nun ist sie erstmal auf Gut Immling, Bayerns zweitem Grünen Hügel, bestens ausgelastet: Dort wird sie den Pagen in Verdis "Don Carlo" singen, ist in der Jubiläumsgala anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Festivals dabei, und vor allem singt sie nun erstmals die Pamina. Eine Partie, die ihr nach ihrem Wechsel aus dem Soubretten- ins lyrische Sopranfach ausgesprochen gefällt und gut liegt. "Ich sehe die Pamina als starke Figur im ganzen Stück. Sie wird ja oft sehr traurig gestaltet, aber ich habe sie ein bisschen anders angelegt, Intendant Ludwig Baumann, der Regie führt, sieht sie ebenfalls anders. Pamina ist sozusagen die Leitfigur in der Oper, auch vom Charakterlichen eine echte Persönlichkeit. Und natürlich ist die Musik wahnsinnig schön, ich singe überhaupt viel Mozart. An größere Verdi- und Puccini-Opern traue ich mich noch nicht heran. Ich glaube, das wird später kommen, denn im Moment ist Mozart für mich einfach stimmlich ideal."

23. Juni bis 6. August; Telefon 0180 504 66 54, www.gut-immling.de

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