Allerliebster Parasit

- Erst ist es ein rosa Kuschelpäckchen, kurz danach schon ein Parasit. Nervtöter. Berufs-Verhinderer. Aber bei allem Geselligkeits-, Bildungs- und Schlaf-Entzug und stinkender Windelsuppe doch das Süßeste, Liebste, Lebenswerteste auf der Welt für: "Traumfrau Mutter". Mit diesem herzhaft-satirischen Panorama des modernen Mutterdaseins zwischen auf Eis gelegter Karriere und heimgebundener Wickel & Fütter-Knechtschaft landete Münchens Tollwood nach der "Gaukler-Sonate" seinen zweiten Hit.

<P>Riesenerfolg schon bei seiner "Geburt" in Kanada 1993, als sechs Schauspielerinnen ihr heroisches Leben als Mutter zu Papier brachten: nicht mehr im Demuts-Ton der berufenen Gebärerin. Nein, hier kriegt frau die Krise, den hysterischen Kreischanfall, wenn der kleine Prinz die geraspelten Zucchini auf das Küchenmobiliar schnippt. Nimmt frau auch kein Feigenblatt mehr vor ihr Sexbedürfnis _ in prä- und postnataler Durststrecke. Und die "Supersechs" der arena-Truppe Berlin schmettern, keifen und giften das jetzt so herzzerreißend authentisch ins Beziehungskiste-Zelt, als hätten sie's selbst geschrieben. Ilona Schulz, melancholisch-sarkastischer Kurzhaar-Puck, brüllt uns als Appetizer ("pressen, pressen, pressen") die Geburtswehen vor. Kathleen Gallego Zapata, die Radikal-Bekennerin, schiebt nach mit Schmerz-Erklärung: "Wie ist Gebären? Kneif dir in die Unterlippe. Fest. Noch fester _ und zieh sie dir einfach über den Kopf."</P><P>Von derartig physischer Illustrierfähigkeit sind alle diese Schilderungen m i t t e n aus Waschküche, Babykacke, Kindergarten und den mütterlichen Albtraum-Ängsten vor tausend möglichen Krankheiten und Gefahren. Altbekannt und doch jetzt, zwischen überdimensionierten, zu Sitzgelegenheiten arrangierten Spielzeug-Klötzen, von diesen Traumfrauen wie Leidens-Premieren unmittelbar aus ihrem "Mutterboden" geholt. Jede eine Sondertype, von der sanft komischen Cay Helmich bis zum blonden Glamourweib Alexa Maria Surholt und Simone Grunert, die in ihrer üppigen Eva-Pracht (auch mal versehentlich) über die Bühne pest. Sie geben aber auch prächtig den Solidar-Club bei Schwangerschaftsgymnastik oder als Mama-Popband unter der coolen Rockröhre Maria Schuster und ihrer E-Gitarre. </P><P>Ingolf Lück, bis dato TV/Filmschauspieler, Showmaster und Entertainer (seit jüngstem Papa) lieferte mit diesem souverän gelenkten Sechsergespann ein Regie-Debüt, das garantiert Folgen haben wird. </P>Bis 20. Dezember, 20 Uhr, am 2. und 11. Dezember Übersetzung für Gehörlose. Karten 089/ 54 81 81 81, Hotline 0700-38 38 50 24.

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