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„Dornröschen“: Oksana Bondareva (Prinzessin Aurora) und Leonid Sarafanov (Prinz Désiré).

Alles schön und nichts als schön

München - Ballettwoche in München: Das „Dornröschen“-Gastspiel des St. Petersburgers Michailowsky-Theaters unter Nacho Duato fällt erstaunlich konventionell aus.

Da wäre der Fußballabend spannender gewesen. Nacho Duato, der spanische Choreograph, vor zwei Jahren als erster Nichtrusse am Petersburger Opern- und Balletthaus Michailowsky Ballettdirektor geworden und gerade auf dem Absprung nach Berlin als Malachow-Nachfolger, gastierte mit seinem Ensemble bei der Münchner Ballettwoche. Er überraschte mit einer erstaunlich konventionellen Version von Tschaikowskys „Dornröschen“. Von ihm, den man als fantasievollen „Schrittmacher“ kennt – in München lief etwa sein Stück „Vielfältigkeit – Formen von Stille und Leere“ –, hatte man, wenn er schon eine eigene Choreographie des großen Klassikers ins Feld führt, mehr erwartet als einen schlechteren Petipa. Das Ideal ist in puncto „neue Sicht“ immer noch die aufregend originelle „Giselle“ von Mats Ek (bei dem Duato ja selber engagiert war). Ek ist weit weggegangen von der klassischen Choreographie und hat eine frische, moderne Version hingestellt, die neben der alten mit Glanz besteht und in München zu Konstanze Vernons Zeiten auch parallel mit der Originalversion lief.

Nichts davon hier. Wir sehen das romantische Märchen im stuckverzierten Bühnenbild und in schwellenden Kostümen. Alles schön und nichts als schön (Angelina Atlagič). Aber das hatten wir doch schon und lieben es noch. Wozu dann eine etwas schlechtere Doublette? Duato hat ein großes Ensemble mit guten, oft sehr jungen Tänzern. Es gelang ihm sogar, die Moskauer Bolschoi-Stars Natalia Ossipowa und Iwan Wassiljew abzuwerben. Er will an dem Petersburger Haus, das früher vor allem für Moderne stand – Schostakowitsch wurde hier uraufgeführt und gleich verboten –, viel klassisches Repertoire machen mit nicht zu großen Neuerungen. Die bei Petipa übliche Pantomime hat er stark zurückgedrängt, und er sucht, alles über Tanz auszudrücken. Aber der Prolog erschöpft sich in immer gleichen Bewegungsmustern, zumeist in der Taille nach rechts oder links abgebogene Körper, die in gefälligen Arrangements ohne stringenten dramaturgischen Aufbau dahintanzen. Es kommt keine Spannung auf.

Der junge König, Marat Shemiunow, bewegt sich wie ein Pennäler. Temperament hat die böse Fee Carabosse. Rishat Yulbarisov gibt sie funkelnd schwarz als Travestie. Aber ihr Auftritt nimmt kein Ende, was auf Kosten der Magie geht. Dornröschen ist die Klasse-Ballerina Oksana Bondareva. Ihr Charme, ihre Brillanz, ihre sichere Spitze bestechen. Ihr zur Seite als etwas blasser, aber sprungsicherer Prinz: Leonid Sarafanov. Die Fliederfee (Ekaterina Borchenko) bringt die beiden in einer Art Traum schon früher als im Original zusammen. Der Prinz auf der Jagd mit seinen grün gewandeten Jagdgesellen: immer im glitzernden Prinzenhabit. So etwas macht die Produktion steinalt! Außerdem erinnert diese Waldszene zum Verwechseln an „Giselle“ und „Schwanensee“.

Nach dem erlösenden Kuss könnte Schluss sein, aber Duato will uns das Divertissement, abgespeckt und weniger funkelnd als bei Petipa, und den Grand Pas de deux doch nicht vorenthalten. Also geht’s weiter, bis Dornröschen unter einem bühnentiefen Hochzeitsschleier die Treppe zum Glück emporsteigt. Ob so etwas von 2014 an den Berlinern gefällt?

Schlimm war die Musik. Proben wird’s kaum gegeben haben, aber auch die Staatsmusiker schütteln den Tschaikowsky nach langer Zeit nicht aus dem Ärmel. So rang man unter Valery Ovsianikov um Zusammenspiel und Sauberkeit. Ärgerlich.

Beate Kayser

Münchner Ballettwoche

noch bis 29.4.; heute: „Illusionen – wie Schwanensee“.

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