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Francis Kéré baute auch das das Centre de Santé et de Promotion Sociale für das Operndorf, das Christoph Schlingensief (1960-2010) initiiert hatte und das sich weiterentwickelt.

Ausstellung in der Pinakothek der Moderne

Die heilende Kraft des Bauens

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Das Architekturmuseum der TU München präsentiert das Schaffen von Francis Kéré, der durch Schlingensiefs Operndorf bekannt wurde

München - Schule, Lyzeum, Ausbildungs- oder Fortbildungszentrum: Schon ein schneller Blick in die Ausstellung „Francis Kéré – radikal einfach“ erfasst die riesige Bedeutung von Lernen, von Lernendürfen. Das Architekturmuseum der Technischen Universität München widmet in der Pinakothek der Moderne Francis Kéré eine umfassende Exposition zu seinem bisherigen Schaffen. Der Direktor des Museums, Andres Lepik – Typ westlicher Intellektueller –, bekennt bei der Pressekonferenz überraschend emotional, dass ihn die Begegnung mit dem Architekten aus Burkina Faso 2008 enorm beeinflusst habe: „Meine Einstellung zur Architektur wurde durch Kéré komplett verändert.“ Die gesellschaftliche Aufgabe der Baukunst rücke ins Bewusstsein. Heute sei das für die Kollegen das Thema, wie die gerade zu Ende gegangene Bau-Biennale in Venedig gezeigt habe.

Wenn man Francis Kérés sinnliche Gebäude sieht und ihn sprechen hört, versteht man die Faszination und die mögliche heilende Kraft des Bauens für die Gemeinschaft. Schon bei Lepiks Einstands-Präsentation als Museumsleiter 2013, „Afritecture“, war dem Betrachter Kérés Formen-Fröhlichkeit und -Klugheit aufgefallen. Er ist ein weiser Brückenbauer zwischen traditionellem Handwerk und Moderne, der menschlichen Sehnsucht nach Geborgenheit und praktischen Anforderungen, zwischen zählebigem Verhalten und frischem Ansporn, zwischen Burkina Faso und Berlin. Das illustriert nun die Schau ausführlich.

Kuratorin Ayça Beygo hakt beim Lebenslauf des Architekten ein. 1965 wird er in dem Dorf Gando geboren. Um überhaupt in die Schule gehen zu können, muss er wegziehen zu einem Onkel. Dieses Weggehenmüssen setzt sich fort, bis er 1995 an der TU in Berlin landet, wo er seit 2005 lebt. Glück für Nord und Süd, dass Kéré immer wieder zurückkehrt, um sich für seine Heimaten einzusetzen. Gando ist und bleibt sein Projekt. Der Ort hat jetzt – natürlich – eine Schule, und es wachsen Bibliothek, Lehrerhäuser, Oberschule, Frauenzentrum oder das Atelier Gando heran. Kéré betont, dass bei ihm Bauen gleichzeitig Lernen und Ausbildung bedeute. Die Gemeinschaft ist Co-Architekt, und deswegen sind seine Konstruktionsprinzipien so radikal wie einfach, damit sie „jeder“ umsetzen kann. Das funktioniert, weil Francis Kéré die Tugenden der alten Baumeister nicht verleugnet. Die wussten, welche Bauweise, welche Materialien in ihrer Gegend funktionierten und welche nicht, was man finanzieren konnte und was nicht.

Für Burkina Faso bedeutet das: Lehmziegel, Holz und Stein in Maßen, etwas Beton, auch Wellblech. Damit zaubert der Architekt in die flache, schütter bewachsene Landschaft Bauten, die wundervoll luftig, schwungvoll und human sind. Dächer wölben sich mal wie halbierte Tonnen, mal segeln sie wie bei uns Drachen im Herbst, mal verkanten sie sich wie Kristalle. Meist wendet der Baumeister den Trick des Doppeldaches an. Das untere ist durchbrochen; da werden etwa Tonkrüge quer zerschnitten und die Halsöffnungen in Beton eingelassen, sodass Löcher bleiben. Das obere Dach sitzt oft auf Stelzen über dem ersten: Durchlüftung ist bei Hitze eben das A und O. Das ergibt eine spielerische Eleganz, die durch sparsamen Farbeinsatz, Schattenspiele durch Dachüberstände auf Stangenwäldern und gekurvte Wände bis hin zu Oval und Kreis akzentuiert wird. So plant das Büro Kéré für Berlin eine mobile „Tonne“, einen Satelliten der Volksbühne für einen Hangar des Ex-Flughafens Tempelhof.

Einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist Francis Kéré durch seine Zusammenarbeit mit dem 2010 verstorbenen Multi-Künstler Christoph Schlingensief. Der wollte für Burkina Faso eine Oper. Und man darf wohl annehmen, dass Kéré dem wilden Visionär ergänzend dazu diverse „vernünftige“ Bauten abgerungen hat – natürlich auch eine Schule. Das berühmte Operndorf ist in der Münchner Ausstellung ebenfalls zu erleben. Es sind insbesondere die Filme von Daniel Schwartz, die uns nach Burkina Faso entführen und uns viel lehren: über das Land und die Kraft Kérés. Der seinerseits lehrt uns, endlich wieder auf unsere Bauhandwerkstraditionen zu schauen und sie nicht in Freilichtmuseen beiseite zustellen.

Bis 26. März 2017

Di.-So. 10-18 Uhr; Telefon: 089/ 23 80 53 60.

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