Alles für die Wunderkinder

- Vorfreude - ein Genuss der besonderen Art. Zu Jahresbeginn zählen nicht nur die guten Vorsätze, sondern auch die Erwartungen an das Unerwartete und die Hoffnung, dass das tatsächlich Erwartete alle Erwartungen übertreffen möge. Diese Vorschau auf die Münchner Ausstellungen - soweit schon bekannt - soll Information sein und zugleich "Magentratzerl" für das 2005er-Menü der bildenden Kunst.

<P>Haus der Kunst</P><P>Er hat's eigentlich nicht so mit den hehren Stätten der Musen. Nun aber ist Florian Süssmayr mit seinen "Bildern für deutsche Museen" in der Ehrenhalle des Hauses der Kunst gelandet (17.2.- 1.5.). Die renommierte Wiener Sammlung Generali zeigt unter dem Titel "Occupying Space" Werke zeitgenössischer Künstler wie Dan Graham oder Martha Rosler, die sich mit Dreidimensionalität in jeder Hinsicht beschäftigen (9.3.- 16.5.). Und noch eine Sammlung, ebenfalls berühmt. Das Schweizer Paar Ruth und Peter Herzog präsentieren "Meisterstücke" aus ihrem Besitz: "Der Körper der Fotografie" (6.4.-12.6.). Der US-Amerikaner Paul McCarthy erzählt uns einen Western - auf seine Art mit einer Installation (10.6.-4-9.). Bestens dazu passt Robert Adams' ebenfalls kritischer Blick auf den Westen und sein gestörtes Ökosystem (29.6.-25.9.).<BR><BR>In Zusammenarbeit mit der Alten Pinakothek und der Bonner Kunsthalle erweist man der "Peinture Française" große Reverenz mit Werken des 17. und 18. Jahrhunderts, die in Deutschland zuhause sind (5.10.- 8.1.'06). Das schwierige Projekt "Künstlerbrüder" will den Ursprung der Kreativität untersuchen bei Menschen aus biologisch und sozial gleichem "Milieu"(12.10.- 22.1.). Ab November übernimmt man vom New Yorker MoMA die Retrospektive von Lee Friedlanders Foto-Oeuvre.<BR><BR>Das Haus der Kunst ist auch wieder Gastgeber für Künstlergruppen: die "Große" (17.1.-13.3.), Künstlergenossenschaft (14.3.-17.4.), Freie Künstlerschaft (18.4.- 22.5.).<BR><BR>Museum Villa Stuck</P><P>Die Restaurierung wird abgeschlossen: Mitte März werden die historischen Räume Franz von Stucks wiedereröffnet. Zugleich wird dem Jugendstil erneut gehuldigt. "L'Art Nouveau - La maison Bing" erinnert mit über 400 Objekten an Siegfried Bing, dessen Pariser Galerie "L' Art Nouveau" diesem Stil den Namen gab (13.3.-31.7.). "Art of Tomorrow" - Titel einer aufregenden Schau 1939 - erinnert an die deutsche Malerin Hilla von Rebay, die Gründerin und erste Chefin des "Museum of Non-Objective Painting", des späteren Solomon R. Guggenheim Museums in New York (8.9.- 8.1.). Parallel dazu beschäftigt sich auch das Schlossmuseum Murnau mit Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim (8.9.-8.1.).<BR><BR>Hypo-Kunsthalle</P><P>Mit dem kleinwüchsigen Franzosen hat man den Erfolg gebucht. Henri de Toulouse-Lautrec reißt einen ja auch immer hinein in den Enthusiasmus des Farbleuchtens und einer Charakterisierung mit genialem Esprit. Die Schau wird das gesamte grafische Werk sowie Bildstudien und Gemälde zeigen (4.2.-1.5.). Einem Lebenselement unserer Erde widmet sich das interdisziplinäre Projekt "Wasser"; neben Caspar David Friedrich also Wissenschaft, neben David Hockney Politik (ab 3. Juni).<BR><BR>Alte Pinakothek</P><P>Dass es in der Kunst schon längst ein vereinigtes Europa gibt, beweist "In Europa zuhause - Niederländer in München um 1600". Dazu zählen Friedrich (Frederik) Sustris oder Peter Candid (Pieter de Witte), aber auch Orlando di Lasso. Grafiken, Zeichnungen und Kleingemälde vieler Münchner Hofkünstler sind zu sehen (20.10.-8.1.'06).<BR><BR>Neue Pinakothek</P><P>Ein Gipfeltreffen findet statt: "Le dé´jeuner" und "Un bar aux Folies-Bergè`re", geniale Gemälde aus der Geburtsstunde der Moderne, können unter dem Titel "Zwei Bilder, ein Raum - Manet Manet"  verglichen werden (20.1.- 10.4.). An den spätbarocken Künstler und Theoretiker Johann Georg Bergmüller erinnert eine Ausstellung, die erstmals sein zeichnerisches Werk repräsentativ ausbreitet (17.2.-17.4.). Auch wir Heutigen zehren vom klassischen Italien-Traum. Den erforschen "Italienbilder der Goethezeit" (21.4.-24.7.). Dieses Konzept wird ergänzt von "Rom in frühen Fotografien" (12.5.-18.9.).<BR><BR>Pinakothek der Moderne</P><P>Architektur:<BR>Eine der wichtigsten Münchner Ausstellung dürfte dieses Projekt des Architekturmuseums sein, denn es beschreibt die Grundlagen unserer gegenwärtigen Situation: "Architektur der Wunderkinder - Aufbruch und Verdrängung in Bayern 1945-1960" (3.2.- 30.4.). Er ist der Mann der schwebenden Dächer: "Frei Otto - Im Einklang mit Natur und Technik" erzählt von diesem speziellen Baumeister (26.5.-28.8.). Eine Ausnahme ist auch der Österreicher Heinz Tesar - eine, die viele erzürnt (Kirche in der Wiener Donaucity). "Die Architektur beginnt vor der Architektur" ist die erste große Ausstellung über sein Schaffen (29.9.-8.1.'06).</P><P>Design:<BR>50 Jahre Cover-Illustrationen schildert "Die Kunst des Spiegel" über die Gestaltung der Zeitschrift (15.6.- 17.7.). Eine ungewohnte Beziehung soll in "Pure Form - Klassische Möbel aus China und die europäische Moderne" beschrieben werden. Was bei uns erst im 20. Jahrhundert wirksam wurde, praktizierten die Chinesen schon vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Klarheit und Funktionstüchtigkeit (Herbst bis Januar '06).</P><P>Grafik:<BR>Der griechische Bildhauer Joannis Avramidis ist auch ein spannender Zeichner. Ihn stellt die Staatliche Graphische Sammlung mit zentralen Schaffensphasen vor (24.2.-17.4.). Das Bayern des frühen 19. Jahrhunderts ist uns vor allem durch ihn gegenwärtig: "Franz Kobell - Zeichner zwischen Idylle und Realismus" (5.5.-24.7.). Am Ende des 18. Jahrhunderts erfand Alois Senefelder den Steindruck. Über diese künstlerische Technik geben "Bilder vom Stein. Die Lithografie im 19. Jahrhundert" Auskunft (4.8.-2.10.). </P><P>Kunst:<BR>Ein Galerist, der lange in München wirkte, und Kunstsammler wird geehrt: "Leidenschaft für die Kunst - Otto van de Loo und seine Galerie" (2.2.-3.4.). Documenta-Teilnehmer Thomas Hirschhorn präsentiert seine "Doppelgarage" - mit Nietzsche-Bezügen (3.3.- 3.7.). Für die Rotunde der Pinakothek der Moderne, und zwar fürs zweite Obergeschoss, entwirft Christine Hiebert Wandarbeiten (Mai bis Oktober). Neugierig werden viele auf eine bestimmte Foto-Exposition sein: Denn hierbei geht's um Bernhard Wicki (23.6.-2.10.). In der Sparte Video wird Kutlug Ataman "Die vier Jahreszeiten der Veronica Read" zeigen, einer pflanzen-narrischen Engländerin (21.7.-6.11.). Daran schließt sich ebenfalls Wachsen und Gedeihen an mit der Schau "Triebkräfte der Erde" von Franz Marc bis Per Kirkeby (23.9.-11.12.). Zusammen mit dem Filmmuseum versucht man, sich dem Phänomen Pier Paolo Pasolini zu nähern. Leitfaden durch Texte, Filme und Gemälde sind die Motive "Mythos - Alchimie - Tod" (27.10.-8.1.).<BR> <BR>Lenbachhaus/Kunstbau</P><P>Das Ausstellungs-Programm der Städtischen Galerie wurde bereits präsentiert. Hier nur noch in Kürze zur Erinnerung: Andreas Hofer mit "Welt ohne Ende" (29.1.- 1.5.), "Junge Kunst in München" (12.2.-16.5.), anlässlich der Bundesgartenschau Paul Klees "Botanisches Theater" (Mai bis September), Filme und Fotos von dem Jordanier Fouad Elkoury (21.5.-18.9.). Danach kommen zwei Großmeister: Gerhard Richter (4.6.-21.8.) und - das wird d e r Renner - Franz Marc mit einem umfassenden Werk-Panorama (17.9.-8.1.). Phil Sims markiert eine puristische malerische Position (1.10.-29.1.), während Paolo Parisi alle möglichen Medien ausprobiert (15.10.-29.1.).<BR><BR>Stadtmuseum</P><P>"Die Zwanzigerjahre" werden in Mode, Kunsthandwerk und Grafik lebendig (15.4.-5.3.). Modefotografie von 1933 bis 1976, durchs Kameraobjektiv von Regina Relang gesehen: "Von der Dame zur Madame" (11.5.- 7.8.). Zum 100. Geburtstag von Karl Amadeus Hartmann entsteht ein großes Porträt (29.7.-27.11.). Eine Dokumentation informiert unter dem Motto "Jüdische Identität in der zeitgenössischen Architektur" - ergänzend zum Baugeschehen auf dem St.-Jakobs-Platz - über aktuelle Vorhaben (4.11.-5.2.). 300 Jahre ist es her, aber nicht vergessen: Mit "Memento 1705 - Die Sendlinger Mordweihnacht" erinnert das Stadtmuseum an das schreckliche Gemetzel (25.12.-26.2.).</P>

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