Michael (li.) und Christian Amberger
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Michael (li.) und Christian Amberger, Inhaber der Mineralöl-Firma Allguth.

Umbau des Aubinger Heizkraftwerks

Allguth-Chefs über Münchner Kulturzentrum: „Wir wollen keine Konzertsaal-Diskussion“

  • Markus Thiel
    vonMarkus Thiel
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Ungewöhnliches leisteten sich Michael Amberger und sein Bruder Christian schon immer – ob als Inhaber der Mineralöl-Firma Allguth oder als Kulturmäzene. Nun wird es richtig groß. Ein Interview.

2005 hatten die Gebrüder Amberger das ehemalige Heizkraftwerk in Aubing gekauft und wollen dort nun ein Kulturzentrum verwirklichen. Ein Gespräch mit Michael Amberger.

Planen Sie ein Werksviertel West, ein Pendant zum künftigen Kulturzentrum am Ostbahnhof?

Nein. Wir haben keine Vorbilder und wollen auch mit niemandem vergleichbar sein. Wir haben keinen Fixstern, der uns leitet – sondern eine gute innere Stimme, die uns sagt: Das müsst ihr einfach tun. Mit „wir“ meine ich dabei immer meinen Bruder und mich, alle unsere Pläne entstehen eigentlich seit unserer Kindheit gemeinsam.

Warum hat es so lange gedauert? 2015 dachten Sie an einen Konzertsaal mit 1800 bis 2000 Plätzen.

Das war damals unser Angebot an die Stadt und ihre Philharmoniker für eine Interimsspielstätte. Deren Intendant Paul Müller war auch unser Fan – gerade im Gedanken daran, mit einer solchen Architektur und einem solchen Konzept andere Publikumskreise anzulocken. Aber es gab einfach zu viele kritische Stimmen. Es hieß, ein solcher Saal in Aubing sei zu weit weg vom Zentrum. Auch Konzertveranstalter waren dieser Meinung. Wir konnten seinerzeit nicht genügend Menschen begeistern. Wenngleich es dabei bleibt: Der Standort ist ganz wunderbar. Die damalige Entscheidung ermöglichte es uns, nun komplett frei zu denken.

Sie planen 300 Konzerte pro Jahr. Hauptsächlich als Eigenveranstaltungen?

Wir hatten gerade Baubeginn für das bestehende Gebäude, das Atrium also, die ehemalige Kesselhalle. Wir planen eine große Freischankfläche für 500 Personen. Der Neubau daneben wird eine Länge von 100 Metern und 10 000 Quadratmeter Geschossfläche haben. Dort hinein soll der eigentliche Konzertsaal. Anfangs war das von Thomas E. Bauer geführte Konzerthaus in Blaibach, das wir großartig finden, fast ein zu starkes Vorbild. Wir dachten immer an einen Saal mit 200 Plätzen und mussten irgendwann resümieren: Der wäre zu klein. Also planen wir gerade auf 400 Plätze um. Wir wollen damit gar keine Konzertsaal-Diskussion anzetteln. Aber eine solche Größe halten wir für notwendig, weil es sie zum Beispiel für Kammermusik-Formate in München nicht gibt – und weil wir ein Stück weit die freie Szene ansprechen wollen. Dafür suchen wir nach Mitstreitern, unter anderem Thomas E. Bauer.

Die Amberger-Brüder werden also nicht zu Intendanten.

Nein. Uns wird man nicht in der Öffentlichkeit wahrnehmen, wir bleiben in der zweiten Reihe.

Wie lockt man das Publikum nach Aubing?

Wir werden tolle Gebäude mit fulminantem Programm haben. Wir werden spektakulär und ansteckend sein. Und wir werden rebellisch sein. Wenn viel Herz im Spiel ist, erreicht das auch die Herzen der anderen. Außerdem gibt es ein großes Einzugsgebiet bis nach Augsburg. Und vom Hauptbahnhof sind es nur 14 Fahrminuten mit der S-Bahn. Der Standort ist also durchaus sehr charmant.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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