Allianz der Senioren

- Was gestern vom Grünen Hügel drang, war nur noch eine Vollzugsmeldung. Der Dramatiker Tankred Dorst wird wie vermutet 2006 in Bayreuth den "Ring des Nibelungen" inszenieren. Womit es im Wagner-Mekka zur Allianz der Senioren kommt: Der 85-jährige Festspielchef Wolfgang Wagner holt sich einen Regisseur, der im Premierenjahr den 80. Geburtstag hinter sich hat und seine Produktion auch noch fünf Jahre weiterbetreuen soll.

Zu Hilfe kommt Dorst seine Frau Ursula Ehler als "Mitarbeiterin der Inszenierung". Frank Philipp Schlößmann wurde als Bühnenbildner engagiert, in München ist er durch die Ausstattung von "Bernarda Albas Haus" an der Staatsoper bekannt. Kostümbildner ist Bernd Skodzig, Dirigent, wie schon lange geplant, Christian Thielemann. Ursprünglich war Lars von Trier als "Ring"-Regisseur vorgesehen, er hatte den Auftrag jedoch vor einigen Monaten zurückgegeben. Offenbar, so wird gemunkelt, konnte sich die Festspielleitung nicht mit dem ambitionierten Konzept anfreunden.<BR><BR>Auf Dorst wartet eine strapaziöse Aufgabe: Bereits im kommenden Jahr muss für 2006 geprobt werden, da Bayreuth alle vier "Ring"-Opern innerhalb einer Woche herausbringt. Obwohl Dorst schon inszeniert hat und Texte fürs Musiktheater schrieb, ist er in Sachen Opern-Regie unbeleckt. Was freilich seinen langjährigen Freund Wolfgang Wagner nicht stört, setzt doch Bayreuths Prinzipal aus PR-Gründen gern auf solche Neulinge: Heuer lieferte Christoph Schlingensief einen umstrittenen "Parsifal", auch Filmregisseur von Trier wäre ein Operndebütant gewesen. "In jeder neuen Interpretation des Gesamtkunstwerks ,Ring ist es notwendig, die kreativen Potenziale unterschiedlichster Art zu bündeln", rechtfertigt Wolfgang Wagner seine Entscheidung.<BR><BR>

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