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Sind seit 1991 verheiratet: Almaz und Karl Heinz Böhm. Gemeinsam betreuen sie seit Jahrzehnten das Projekt "Menschen für Menschen".

Almaz Böhm: "Oma stellt die Weichen!" 

Hamburg - Almaz Böhm, Ehefrau von Schauspieler Karl Heinz Böhm erzählt in einem Interview über die Arbeit als Leiterin bei "Menschen für Menschen". Die Organisation ist auf Spendengelder angewiesen.

Die Äthiopierin Almaz Böhm hat 2008 als Nachfolgerin ihres Mannes Karlheinz Böhm, die Geschäftsführung von “Menschen für Menschen“ übernommen. Die studierte Agrarexpertin arbeitet bereits seit 23 Jahren für die Hilfsorganisation, seit 1991 ist sie mit Böhm verheiratet. Mit der Nachrichtenagentur DAPD sprach die 45-Jährige nicht nur über die Erfolgsprinzipien ihrer Arbeit, sondern auch über ihre Familie und die beruflichen Pläne der zwei gemeinsamen Kinder.

DAPD: Was hat sich für die Frauen in Afrika verändert?

Böhm: Wir haben gemerkt, dass die Frauen, die vorher nie Gelegenheit hatten, zu zeigen, was sie können, die Chancen, die sie durch unsere Initiative bekommen, wahnsinnig nutzen, und dem Vertrauen, das wir zum Beispiel mit unserem Kleinkreditprogramm in sie gesteckt haben, sehr gewissenhaft gerecht werden. Ich war erst vor kurzem für sechs Wochen in Äthiopien.

Dort hat mir die Vorsitzende der Kreditvereinigung erzählt: “Ich hatte zuvor noch nie Geldscheine besessen, und als ich das erste Mal 1.000 Äthiopische Birr (circa 60 Euro) in den Händen hielt, habe ich plötzlich Angst bekommen, bin nach Hause gerannt und habe das Geld versteckt, mich erst nach vier Tagen getraut, es überhaupt anzufassen.“ Inzwischen haben die Frauen ein ganz anderes Selbstverständnis, nutzen die buchhalterischen Geschicke, die sie durch unsere Kurse gelernt haben, um Einnahmen und Ausgaben zu kalkulieren, fühlen sich attraktiver und nehmen die Familienplanung selbst in die Hand. Und die Männer sind stolz auf ihre Frauen, sagen: “Ohne die Kredite hätten wir auch nie alle vier oder fünf Kinder in die Schule schicken können.“

Wasser und Holz werden knapp

DAPD: Wie sieht die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern aus?

Böhm: Die Frauen sind sicherlich in vieler Hinsicht das stärkere Geschlecht viel tragend, was das Leid und die Last betrifft. Während die Männer die Landwirtschaft betreiben, müssen sich die Frauen um die Wasser- und Holzvorräte kümmern. Das bedeutet, sie müssen jeden Tag drei bis vier Stunden gehen, um den täglichen Wasserbedarf von rund 20 bis 25 Liter für die ganze Familie heranzuschaffen, was gerade mal zum Kochen und Trinken ausreicht. Und wenn es keine Wasserstelle in der Nähe gibt, müssen auch die Mädchen ihren Müttern helfen, anstatt in die Schule zu gehen.

Deswegen sehen wir es als unsere Aufgabe, bevor überhaupt die Bildung ermöglicht werden kann, viele andere Wege zu ebnen, wie zum Beispiel den Bau von Wasseranlagen voranzutreiben, die Wiederaufforstung und die Landwirtschaft zu fördern. Durch die Abholzung für dringend benötigtes Feuerholz, durch Bevölkerungswachstum und Klimawandel ist Äthiopien heute nur noch auf drei Prozent der Landesfläche bewaldet. Wir haben im Rahmen unseres Wiederaufforstungsprogramms einen Holzspar-Ofen (“Green Stove“) entwickelt.

Das heißt, die Frauen müssen nur noch einmal in der Woche gehen, um Holz zu sammeln, sie sparen täglich drei bis vier Stunden Zeit, und durch die gewonnene Zeit können auch die Kinder die Schule besuchen. Und der restliche Baumbestand des Landes kann nicht nur bewahrt, sondern auch allmählich vergrößert werden. So können wir mit unseren 800 Mitarbeitern in Äthiopien in vielen kleinen Schritte wirkungsvolle Aktivitäten fördern, das heißt, über vier Millionen Menschen profitieren von unserer Arbeit.

Oma stellte die Weichen

DAPD: Wie hat Sie Ihre Kindheit in Äthiopien geprägt?

Böhm: Ich bin recht privilegiert aufgewachsen. Mein Vater war Beamter in der Stadtverwaltung und die letzten Jahre seines Lebens Bürgermeister der Handelstadt Jijiga, die damals 30.000, inzwischen rund 150.000 Einwohner hat. Dort habe ich meine ersten Lebensjahre bis zur achten Klasse verbracht, bis wir durch den Krieg zwischen Äthiopien und Somalia nach Addis Abeba fliehen mussten. Eigentlich habe ich mein Schicksal und meine Stärke der Tatsache, dass ich ab meinem zweiten Lebensjahr bei meiner Großmutter aufgewachsen bin, zu verdanken.

Denn als mein älterer Bruder starken Keuchhusten hatte, machte sich meine Mutter Sorgen, dass ich als zartes sechstes von acht Kindern angesteckt würde und dieses eventuell nicht überleben könne, und schickte mich vorsichtshalber zur Oma. Meine Großmutter, die ursprünglich 14 Kinder hatte, von denen sieben gestorben sind, hat mich mit großer Liebe aufgenommen, mir viele Freiheiten gegeben und war so auf mich fixiert, dass es meine Mutter schließlich nicht übers Herz gebracht hat, mich ihr wieder wegzunehmen. Ich habe sogar Mama zu ihr gesagt. Ohne sie hätte ich mich zwischen meinen sieben Geschwistern sicherlich nicht so entwickeln können.

DAPD: Welche Werte haben Sie an Ihre eigenen Kinder, Nicolas (19) und Aida (16), weitergegeben?

Böhm: Es gibt in Äthiopien viele schlechte, aber auch wahnsinnig schöne Traditionen. Das ist die Familienstruktur die Liebe, der Zusammenhalt, die Selbstverständlichkeit, für die anderen da zu sein. Wenn wir alle zusammenkommen, grübeln wir nie lange “Es gibt keinen Platz. Wo bringe ich alle unter?“, sondern freuen uns wahnsinnig aufeinander. Auch meine Kinder lieben es, wenn in unserem kleinen Häuschen in Äthiopien alle zusammentreffen und sie mit ihren Nichten und Neffen nebeneinander auf einer großen Matratze auf dem Boden schlafen und bis spät in die Nacht lachen.

DAPD: Schmieden Ihre Kinder bereits Berufspläne?

Böhm: Unsere Tochter Aida sagt, sie liebt Kinder über alles und möchte Kindergärtnerin werden, und Nicolas plant bereits seit seinem sechsten Lebensjahr, nach seinem Abitur Sozialmanagement zu studieren und für “Menschen für Menschen“ zu arbeiten.

DAPD: Wie ergänzen Sie sich mit Ihrem Mann?

Böhm: Natürlich gibt es manchmal unterschiedliche Sichtweisen. Ich sehe viele Dinge aus äthiopischer Sicht, Karlheinz mit europäischen Augen. Das ist auch gut so, weil wir uns so ergänzen. Obwohl sich mein Mann bereits seit 28 Jahren für Äthiopien einsetzt, reagiert er in manchen Situationen oft noch spontan erschrocken, während ich die Dinge, glaube ich, gelassener und im Zusammenhang sehe und nie aus den Augen verliere, dass wir mit unserer Unterstützung die Familienstrukuren bewahren. Die Menschen sollen durch unsere Unterstützung nicht in Abhängigkeiten geraten, sondern sich selbst entwickeln können.

Anke Sieker

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