Ich bin das Alpha und das Omega

- Das Mysterium der Präsenz Christi in dieser Welt beschäftigt ihn schon seit längerem. Es wird wohl auch ein zentrales Thema im Leben des 40-jährigen Pariser Komponisten Marc André bleiben. "22,13" ist der Titel seines ersten, auf der entsprechenden Textstelle aus der Offenbarung des Johannes basierenden Musiktheater-Werks, das er im Auftrag der Münchener Biennale geschrieben hat und das am Himmelfahrtstag in der Muffathalle uraufgeführt wird.

<P>"Ich bin fasziniert von Jesus Christus", bekennt der sensibel und nachdenklich, keineswegs bigott wirkende, sympathisch-bescheidene Musiker. Er stammt aus einer protestantischen Straßburger Familie, wurde allerdings in Paris geboren und wuchs auch dort auf. Als ihn seine musikalischen Studien schließlich nach Deutschland, genauer nach Stuttgart trieben, fühlte er sich dort gar nicht fremd. "Das Elsass ist nicht weit, und meine Großmutter hat nie richtig Französisch, sondern immer diesen alemannischen Dialekt gesprochen", erzählt Marc Andre. An der Stuttgarter Hochschule studierte er bei Helmut Lachenmann: "Er wird immer mein Meister bleiben." Gern erinnert sich André´, der außerdem Meisterkurse bei Wolfgang Rihm und Salvatore Sciarrino absolvierte, an lange Gespräche mit Lachenmann über dessen erstes und einziges musiktheatralisches Werk "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern". "Es ist das Alpha und Omega der modernen Oper", resümiert der mit vielen Auszeichnungen, darunter einem Förderpreis der Ernst von Siemens-Musikstiftung dekorierte André´ bewundernd.<BR><BR>Um das Alpha und Omega geht es auch in seinem Bühnenstück. "Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende." Genau das steht im Kapitel 22, Vers 13 der Apokalypse. "Mein Stück ist eine Meditation über 22,13. Es ist unterteilt in drei Abschnitte: Das O, Der Letzte, Das Ende. Grundlegend dabei ist die Dramaturgie eines Schachspiels", erläutert der Komponist und verrät: "Ich bin ein Schachversessener." So gibt es denn für ihn im ersten Teil auch zwei wichtige Assoziationen: Ingmar Bergmans Film "Das siebte Siegel", inspiriert von der Offenbarung Kapitel 8, Vers 1. Darin spielt ein Mann mit dem Tod Schach um sein Leben - und verliert. <BR><BR>Der Mensch Jesus</P><P>Dazu tritt die Erinnerung an Garry Kasparows Schachpartie gegen den IBM-Computer Deep Blue, in der der Russe zuletzt unterlag - "Kasparows Passion". Im zweiten Teil geht es darum, das der Mensch Jesus der Letzte ist: Er wird verraten, gegeißelt und gekreuzigt (Johannes-Evangelium). Im dritten Teil bezieht sich André´ wiederum auf die Offenbarung: auf Fragmente aus den Visionen mit den sieben Engeln mit den Posaunen. "Da denke ich an Geräusche aus den Güterzügen von 1944. Opfer wie Täter, sie sind doch alle Verlierer. Mir geht es darum, den Stand der Dinge zu akzeptieren." <BR><BR>Zweimal zwei Orchestergruppen mit tiefen Streichern, Bläsern, Harfe oder Klavier, Schlagzeug und Sängerinnen sitzen einander spiegelverkehrt (wie beim Schachspiel) gegenüber, an den vier Seiten des Zuschauerraums. Marc André´s Musik setzt sich aus vielen Schichten zusammen: Aus dem Live-Gespielten, das zum Teil verstärkt oder mit Verzögerung vom Band zugespielt wird. Dazu kommt vorher aufgenommenes Tonmaterial. Eine Riesen-Herausforderung für die Musiker des koproduzierenden Mainzer Staatstheaters, die Tontechniker des Experimentalstudios der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWR Freiburg, für den Dirigenten Peter Hirsch und den Regisseur Georges Delnon.<BR><BR></P><P> </P>

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