Alte Helden mit frischem Sound

- Es ist ja nicht leicht zu glauben, dass die Eagles gerade ihre letzte Tournee absolvieren. So gut aufgelegt, so verspielt und so ambitioniert tritt man nicht einfach ab. Die kalifornischen Country- Rocker haben ihre Konzertreise allerdings ohnehin ironisch "Farewell 1" benannt, also "Abschied, die Erste". In der ausverkauften Münchner Olympiahalle jedenfalls kam nur einmal kurz Wehmut auf, als nach der Pause alte Filmausschnitte der Eagles aus den 70er-Jahren eingespielt wurden.

Unfassbar lange her wirkt das. Und wenn man ehrlich ist, haben einige Hits im Laufe der Zeit ein wenig an Glanz verloren. Echten Rockfans galt die Gruppe ohnehin als Bande von Weichspülern, die bestenfalls Hotelterrassen-Musik abliefert. Und man konnte an diesem Abend durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Eagles beweisen wollten, dass sie eine wirklich große Band sind.

Dreistündiges "Abschiedskonzert"

Die Herrschaften präsentierten sich auffallend motiviert und verblüfften mit einem raffinierten, vielseitigen Programm. Natürlich war es wieder einmal an Don Henley, die Sache energisch in die richtige Richtung zu stoßen. Als man nach den ersten Stücken - viele aus dem frühesten Album - schon befürchten musste, Zeuge einer netten, aber belanglosen Nostalgie-Revue zu werden, riss Henley mit seiner packenden Solo-Nummer "Boys of Summer" das Publikum zu Ovationen hin. Gleich danach schrie Gitarrist Joe Walsh wuchtig sein "In the City" in den Saal. Dabei überraschten und begeisterten die Eagles mit ungewohnt druckvollem, schmissigem Arrangement, bei dem dynamische Bläsersätze für geradezu funkige Klänge sorgten.

Von da an bejubelten die Fans ekstatisch den jungen und frischen Sound ihrer alten Helden. Den größten Jubel erntete keineswegs ein Klassiker, sondern das brandneue "Hole in the World", in dem die Eagles puren Soul demonstrierten. Beeindruckend die virtuose Instrumentierung und wie makellos sich die Stimmen ergänzten. Besonders faszinierend war natürlich der Gegensatz zwischen den Stimmen von Schlagzeuger Don Henleys und Sänger Glenn Frey.

Nach dem unverwüstlichen Evergreen "Hotel California" stand die Halle endgültig Kopf, und die Eagles machten munter weiter. Insgesamt fast drei Stunden lang. Wenn es ein Abschied war, dann ein würdiger. Aber man würde sie doch gerne wieder sehen, diese Band, die im Alter immer besser wird.

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