Alte und junge Meister

- Als "Composers in residence" sind György Kurtág und Jörg Widmann in diesem Jahr zu den Salzburger Festspielen geladen. Außergewöhnlich dezent verteilt fanden sich bislang die Werke der beiden im Programm platziert; erst jetzt sind sie verstärkt in unterschiedlichen Konzerten zu hören. Während in dieser Werkschau Kompositionen Kurtágs aus 45 Jahren erklingen, sind die Stücke von Widmann ausschließlich Arbeiten der letzten sechs Jahre. Den Werken des 78-jährigen Kurtág stehen also die des 31-jährigen Widmann gegenüber, das Resümee eines Komponistenlebens im Kontrast zu einer verheißungsvollen zukünftigen Laufbahn.

<P>Der Sonntagabend blieb dem Radio-Symphonieorchester Wien (RSO) unter Leitung seines Chefdirigenten Bertrand de Billy vorbehalten, und zu Kurtá´g und Widmann reihten sich Werke des 78-jährigen Friedrich Cerha und des 1974 geborenen Johannes Maria Staud. Ein Abend der zeigte, dass die aktuellen Shooting-Stars und die Altmeister sich gar nicht so fremd und unähnlich sind. In Friedrich Cerhas im Jahr 2000 komponierten Orchesterwerk "Hymnus" entwickeln die Streichergruppen aus der Tiefe heraus ein Klangeflecht, das in einem anscheinend wilden, bedrohenden Durcheinander des Orchesterapparates kulminiert und das am Ende im Pianissimo der Streicher verebbt. "Polygon" nennt Johannes Maria Staud seine Musik für Klavier und Orchester. Amüsanter Aspekt in diesem gut viertelstündigen Klavierkonzert ist gleich zu Beginn ein Akkord - "tutta la forza" (mit ganzer Kraft) - den Pianist Thomas Larcher mit beiden Unterarmen auslöst und mit Hilfe des Pedals über eine Minute nachhallen lässt. <BR><BR>Auf dieses kontrastreich dialogisierende Opus Stauds folgte Kurtá´gs "Concertante", das gemeinsam von den Widmungsträgern Hiromi Kikuchi (Violine), Ken Hakii (Viola) und dem RSO Wien in feinsinnigem Dialog musiziert wurde. Eigentümlich das filigrane, abrupte Finale der beiden Soloinstrumente. Als österreichische Erstaufführung folgte schließlich Jörg Widmanns 2003/04 entstandener "Chor für Orchester", der, angestimmt von einer hohen Fern-Trompete, sehr langsam aus den verschiedenen Instrumentalgruppen Klangfelder an- und abschwellen lässt. Eine für einen 31-jährigen erstaunlich schwermütige Tonsetzung, die allerdings von merkwürdig trauriger Schönheit durchdrungen ist. Bravi aus dem nur zu drei viertel besetzten Kleinen Festspielhaus. </P><P><BR> </P>

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