Die alte Liebe Blues hat ihn wieder

- Es war ein Abschied auf Raten. Nach einer komplizierten Bauchspeicheldrüsenoperation leidlich genesen, schien es nur eine Frage der Zeit, bis Chris Rea kürzer treten würde. Nun also die letzte Tournee für den 55-Jährigen. Von der Musik, die ihn erfolgreich gemacht hatte, hat er sich ohnehin bereits seit einiger Zeit entfernt, was manchen erstaunte, der den rauchigen Lounge-Rauner bislang nur als unspektakuläre Klangtapete im Autoradio wahrgenommen hatte: Die alte Liebe Blues hat Rea wieder, und in der Münchner Muffathalle exerziert er sie ein letztes Mal durch.

Der Song "Jazzy Blue" weist den Weg: Lange Slidegitarren-Soli des Mannes aus Middlesbrough dominieren den Abend, mal schön, mal gar aufregend, mal auch schlicht öde. Im positiven wie im negativen Sinn hat sich seine Musik nie aufgedrängt, und das tut sie auch jetzt nicht. Deshalb war Chris Rea auch nie ein Star, selbst wenn sich seine Songs verkauften wie dieser Tage Tamiflu. Eines wird heute jedoch, zu spät wohl, klar: Man sollte sie live hören. "I can hear your heart beat", auf Platte gediegen langweilig produziert, entfaltet auf der Bühne eine überraschende Dynamik. Angefeuert von seiner guten Band steigert Rea das Lied vom wehmütigen Moll in einen Reggae, schließlich gefolgt von flottem Funk.

Mit dem Blues hat er freilich eine Spielwiese wiederentdeckt, auf der man sich leicht verlaufen kann, das bewies er nicht erst mit seiner neusten Veröffentlichung "Blue Guitar", 130 Songs auf elf CDs. Auch heute könnte vieles konziser, kürzer sein, selbst wenn der Gitarrist sein Handwerk versteht wie kaum ein anderer. Manchmal jedoch, zum Beispiel in "Somewhere between Highway 61 & 49", erwächst aus dem retardierenden Plätschern ein geradezu wütender, großartiger Mahlstrom.

Mit dem Verabschieden hält sich Chris Rea nicht lange auf. Am Ende, nach den Hits "Road to hell" und "On the beach", überquert er überraschenderweise noch Henry Mancinis melancholischen "Moon river" und tröstet mit "Fool if you think it's over". Schon zuvor sang er: "Wir haben das Beste gemacht aus dem, was wir hatten." Da hat er sich wirklich nichts vorzuwerfen.

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