Das alte Preußen ist sein Ideal

München - Doch, doch, Georg Schramm existiert - auch wenn es öffentlich kaum Fotos von ihm gibt. Statt seiner sieht man auf der Bühne und im Fernsehen ("Scheibenwischer", "Neues aus der Anstalt") einen zornigen Alten mit Armprothese namens Lothar Dombrowski, der den Politikern - und seinem Publikum - die Leviten liest.

Das Spiel mit den Identitäten spielt Schramm nun auch als Autor eines Buches, das den Titel "Lassen Sie es mich so sagen - Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit" trägt. Schramm sei ein Pseudonym, ist da zu lesen, die Vita des Kabarettisten und ehemaligen Diplompsychologen frei erfunden. Er und alle weiteren (Bühnen-)Figuren, der alert-zynische Offizier namens Sanftleben und der alte, melancholische Sozialdemokrat August seien "Abspaltungen" Dombrowskis.

Ein rauflustiger Rentner, dem ganz automatisch ein immer größer werdendes Auditorium gewiss ist, verschafft sich hier also schriftlich Gehör. Und dass das, was er da von sich gibt, sehr nachdrücklich klingt, hat damit zu tun, dass das Buch aus Polemiken besteht, die Dombrowski so oder so ähnlich schon auf der Brettlbühne präsentiert hat. Sei's drum, zeitlos ist das Allermeiste.

Das alte Preußen ist Dombrowskis Ideal, nicht das militaristische, sondern das, in dem der Herrscher der erste Diener seines Staates ist. Und wie weit die politische Klasse in Deutschland von diesem Ideal entfernt ist, das demonstriert der graue Panther unerbittlich: "Die Politkasperle dürfen auf der Bühne der öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren, und wenn es nach Verrichten ihrer intellektuellen Notdurft noch nachtröpfelt, dann können sie sich noch bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unters Volk mischen." Ein drastischer, inzwischen vielzitierter Satz, mit dem der Autor die Mechanismen der modernen Mediendemokratie kurz, aber erschöpfend erläutert.

Doch Schramms/Dombrowskis an Dieter Hildebrandt (seinem erklärten Vorbild) geschulte Rhetorik verweilt nicht bei den Mandatsträgern, den Präsidenten, Kanzlern, Koalitionen und Parteien, sie reibt sich auch an den Interessenverbänden, an den Ärzten und an der Pharmaindustrie, an der Situation der Jungen (Bildung!) und der der Alten (Pflege!). Voller Sarkasmus ist diese Suada (wenn man sie liest, meint man ihn reden zu hören), und doch vom Wunsch beseelt, die Verantwortlichen mögen endlich die "Zeichen der Zeit" erkennen und danach handeln.

Georg Schramm: "Lassen Sie es mich so sagen"

Karl Blessing Verlag, München, 268 Seiten; 19,95 Euro.

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