Wie bei den alten Meistern

Erstmals öffentlich gezeigt: Fotografien des Regisseurs Werner Schroeter in der Galerie Heitsch

Wenn etwa Magdalena Montezuma, Schroeters Muse aus den Siebzigern, als Stummfilmdiva in der Villa Stuck vor einem prachtvollen Gemälde posiert, wirkt das auf den ersten Blick einschüchternd. Bis man neben Montezuma den Schatten eines abgehängten Bildes erkennt. Auf einem anderen Foto liegt Schroeters Freund schlafend im Bett. Ein friedliches Bild, scheinbar zufällig erfasst – und zugleich mit einem Pathos versehen, das an alte Meister erinnert.

Schroeters Bilder, die der kompromisslose Theater-, Opern- und Filmregisseur seit 1973 parallel zu oder während seiner Inszenierungen aufnahm, leben wie seine übrigen Arbeiten von der Stilisierung. Da er oft während der Dreharbeiten fotografierte, sind viele Prominente wie Carole Bouquet, Barbara Valentin, Christine Kaufmann, Rolando Villazón oder Kollege Wim Wenders zu sehen. Trotzdem erinnert nichts an die Schnappschüsse der Klatschmagazine. Die Werke des schwerkranken Schroeter strahlen im Gegensatz zu seinen hochartifiziellen Filmen trotz des ähnlich künstlichen Arrangements eine überraschende Unmittelbarkeit aus.

Er lichtete seine Modelle vorzugsweise mit Polaroid-, Minox- oder Wegwerfkameras ab und vergrößerte für die Ausstellung die Negative ausschließlich analog. Auf eine digitale Bearbeitung wurde bewusst verzichtet. Und so trifft zum Beispiel die natürliche Grandezza der großen Marianne Hoppe, über die Schroeter kurz vor ihrem Tod eine Dokumentation drehte, den Betrachter direkt ins Herz.

Ulrike Frick

Bis 7. Februar, Reichenbachstraße 14, Di.-Fr. 14-19 Uhr.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare