Ein alter Bekannter

- Jean Reno, geboren 1948, gehört zu den wenigen Action-Stars des europäischen Kinos. Nach Anfängen im Autorenfilm wurde er durch einige Werke Luc Bessons in den 80er-Jahren international bekannt. Als "Léon, der Profi" bekam er '94 die Rolle seines Lebens. 2000 übernahm der Mann mit der Ausstrahlung eines französischen Bruce Willis' in Matthieu Kassowitz' "Die purpurnen Flüsse" die Hauptrolle des Kommissar Niemans. Als eben dieser ist er jetzt auch in Olivier Dahans Fortsetzung "Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse" zu sehen. Besson schrieb das Drehbuch.

<P>Immer wieder treffen Sie in ihrer Karriere auf Luc Besson. Kommen Sie nicht von Ihrem Mentor los?<BR><BR>Reno: Ich schätze Luc Besson, er ist ein guter Freund, dem ich überdies viel zu verdanken habe. Tatsächlich hat Besson in vielen französischen Filmen zumindest als Produzent die Finger drin - jedenfalls in solchen Filmen, die mich interessieren.<BR><BR>Welche wären das?<BR><BR>Reno: Ich weiß, es sagt jeder, aber auch ich versuche, nicht einseitig auf das Action-Klischee getrimmt zu werden. Es ist nicht leicht, ein Action-Star zu sein. Man wird auf die immer gleichen Stoffe festgelegt, obwohl man mich nur aus wenigen Filmen kennt, ich keine Ikone bin wie ein Bruce Willis. Generell interessieren mich weniger die Drehbücher oder die Charaktere, die ich spielen soll, als die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite: Regisseure, Schauspielerkollegen. Wenn die Qualität eines Regisseurs gut ist, kann der Film gar nicht so schlecht werden.<BR><BR>Was hat Sie an "Die purpurnen Flüsse 2" gereizt? Sie haben in anderem Zusammenhang einmal bemerkt, man solle sich nicht wiederholen, haben sich immer Fortsetzungen verweigert . . .<BR><BR>Reno: Bei einigen Filmen, etwa "Léon", wären Fortsetzungen ja auch gar nicht möglich gewesen, da hätte man etwas an den Haaren herbeiziehen müssen, das erschien mir unseriös. Bei den "Purpurnen Flüssen" liegen die Dinge anders. Ich mag die Figur des Kommissars. Das ist ein typischer Film-Detektiv, der hier mit einem neuen Fall beauftragt ist, ein alter Bekannter, der einem vertraut ist, kein Charakter, aus dem man irgendetwas mutwillig herausquetscht wie aus einer Zitrone.<BR><BR>Religion und Esoterisches spielen in dem Film eine große Rolle. Man muss ein wenig an das Übersinnliche glauben.<BR><BR>Reno: Ich mache mir darüber eher wenig Gedanken. Es ist nichts gegen Religion zu sagen, aber mir ist das nicht sehr wichtig. Daher sehe ich auch kein Problem darin, dass hier die Kirche in einem schlechten Licht gezeigt wird, dass sie sich mit Nazis verbündet. Jede Kultur hat ihre eigenen Fanatismen, davon erzählt der Film.<BR></P><P>Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland<BR><BR></P>

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