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Kurze frühlingshafte Momente beschert Adrienne (Maria Sebaldt) in „Eine Bank in der Sonne“ den beiden Freunden Burt (Horst Sachtleben, li.) und Harold (Jürgen Thormann).

Das Alter – ein Theater-Traum

München - Maria Sebaldt, Horst Sachtleben und Jürgen Thormann begeistern in „Eine Bank in der Sonne“. Hier die Kritik zur Premiere an der Komödie im Bayerischen Hof:

„Eine Bank in der Sonne“, Plausch-Treffpunkt für zwei Herren und eine Dame von 70 plus und noch etwas drüber – viel Handlung ist da nicht. Und Alter und Zipperlein sind ja nun nicht gerade der Stoff, aus dem (Theater-)Träume zu machen sind. Aber offenbar doch! US-Autor Ron Clark hat hier clever seine Erfahrung mit Fernsehshows eingebracht: Das Stück (von 1999, Deutsch von Herbert Bötticher) zielt auf eine komödiantische „reality“-Leichtigkeit. Genau die beherrschen aus dem Effeff die drei „alten Hasen“ Maria Sebaldt, Horst Sachtleben und Jürgen Thormann, der auch inszenierte. Stürmischer Applaus in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof.

Burt und Harold, Freunde seit Kindertagen, verbringen den Lebensabend im selben Seniorenheim. Es ist da noch eine alte Rechnung offen zwischen ihnen – welche, erfährt man am Ende. Außerdem sind sie charakterlich verschieden wie Tag und Nacht. Umstände, die zu täglichen Sticheleien führen, aus denen sie natürlich auch genussvoll ihre tägliche Ration Glückshormone gewinnen: Während Burt, immer in Schlafanzug und schlumpeligem Bademantel – Anziehen zwischen den drei Nickerchen am Tag lohne nicht –, Zeitung lesen will, parliert der tipptopp gekleidete Harold selbstgefällig über seine drei Ehen, seine fünf Pleiten: „Ich war unten, ich war oben – ich war überall.“ Allein schon wie Jürgen Thormann diese letzten so banal-eitlen Worte als Coda phrasiert und wie Horst Sachtlebens Burt die Harold’schen Gefühligkeiten immer so schön trocken pariert – da weiß man doch wieder, was Sprache kann, wozu Sprache im Theater gut ist. Es sind zwei wunderbare „Gegner“, die nie ihre Pointen ausstellen, nie den anderen an die Wand spielen. Selbst nicht im Werben um die Gunst von Adrienne, einer ehemaligen Schauspielerin. Maria Sebaldt schwebt da herein in diese Männer-Zweisamkeit, eine Ex-Hollywood-Diva in rosé Chanel und Schleierhütchen oder sexy Gartenparty-Look, flirtet rechts und flirtet links. Und jetzt läuft Horst Sachtleben richtig zur Hochform auf: wie er „Auf Wiedersehen“ winkt, der Herzensdame mit weit ausgreifender Geste die Entstehung der Welt und des Menschen aus „einer Masse Schlick“ erklärt, wie er für sie den Walzerschritt probt, auch das ist Theater. Theater des bewegten Körpers, schlicht, komisch-poetisch, berührend. Ein Happy End wäre hier jedoch kitschig. Adrienne schenkt beiden Käuzen einen kurzen frühlingshaften Moment, entschwindet dann so plötzlich, wie sie hereingeweht ist. Und, fragt man sich jetzt, worum geht es eigentlich in diesem Stück? Darum, dass drei Schauspieler, im etwa gleichen Alter wie ihre Figuren – also aus einem Wissen heraus – die Schrulligkeiten von Senioren spielen, die Gebrechlichkeit, die Verengung der Welt im Alter, die Absehbarkeit des Lebens. Aber dies ganz unsentimental, leise humorvoll.

Ausstatter Thomas Pekny, so fantasievoll in den Kostümen, hängte den Bühnen-Hintergrund mit Plastikfolie aus, was man nicht so schön fand. Mit einiger Anstrengung der grauen Zellen kann man sich dahinter das Seniorenheim vorstellen, das wohl, nach anstehender Verlegung der Bewohner, renoviert werden soll. Tut dem Abend aber keinen Abbruch. Hingehen!

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen

bis 19. Mai;

Telefon 089/ 29 16 16 33.

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