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Das ehemalige Aubinger Heizkraftwerk.

Münchner Saal-Debatte

Altes Kraftwerk als neues Konzerthaus? „Aubing ist ungeeignet“

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München - Die Reaktionen auf das Projekt sind nicht nur positiv. Das Kabinett beschließt für den Konzertsaal des Freistaats Verhandlungen mit Investoren.

Zitieren lassen will sich keiner. Doch offenkundig ist: Der Plan, das Aubinger Heizkraftwerk zu einem Kulturzentrum umzubauen, hat für schlechte Laune unter den Konzertsaalfreunden auf Seiten des Freistaats gesorgt. Da hat uns jemand in die Suppe gespuckt – so ungefähr ließe sich die Stimmung beschreiben. Als Beleg dafür dient der Zeitpunkt der Veröffentlichung: Ausgerechnet am Tag vor der gestrigen Kabinettssitzung die Aubinger Pläne vorzustellen, das rieche doch nach Störmanöver – oder nach „Nebelkerze“, wie es einer ausdrückte.

Thomas E. Bauer, Bariton und einer der Initiatoren des Aubinger Projekts, begründet den Zeitpunkt mit seinem Terminkalender. Eigentlich habe man mit den Plänen erst in ein paar Wochen an die Öffentlichkeit gehen wollen. Doch nachdem Details des Projekts durchgesickert waren und Bauer nur an diesem Montag zwischen zwei Auslandsgastspielen Zeit hatte, habe es eben der umstrittene Termin sein müssen. Von einer Torpedierung könne daher nicht die Rede sein.

Wie gestern berichtet, will Bauer mit der Finanzkraft der Firma Allguth im Rücken das historische Aubinger Heizkraftwerk für maximal 100 Millionen Euro zum „Philharmonischen Kraftwerk“ umgestalten lassen. Das Gebäude ist Allguth-Eigentum, ursprünglich sollte dort einmal die Firmenzentrale untergebracht werden, die sich jetzt in Gräfelfing befindet. Gerade im Westen Münchens, so argumentieren die Initiatoren, sei in den kommenden Jahren mit einem erheblichen Zuzug zu rechnen – zusammen mit den bisherigen Musikfreunden sei dies ein mehr als ausreichendes Potenzial für ein großes Kulturzentrum.

Diesen Optimismus teilen manche Experten ganz und gar nicht. Andreas Schessl von Münchenmusik, Europas erfolgreichster Klassik-Veranstalter, hält den Standort für ungeeignet. „Das Aubinger Projekt ist sicher eine schöne, tolle Idee“, sagte er unserer Zeitung. „Ich glaube aber nicht, dass dort ein Saal für das Münchner Publikum entstehen kann.“

"Aubinger Areal liegt in der absoluten Peripherie"

Als Beispiel nennt Schessl das frühere Theaterzelt in Fröttmaning, das von Gärtnerplatz- und Deutschem Theater genutzt wurde. Das Zelt sei nur zwölf U-Bahn-Minuten vom Zentrum entfernt gewesen, und trotzdem habe es Schwierigkeiten gegeben, die Münchner dorthin zu locken. „Das Aubinger Areal liegt in der absoluten Peripherie und ist sogar gut 500 Meter von der S-Bahn weg, das wird für viele nicht mehr akzeptabel sein.“ Wenn er also wählen müsste, ob er zum Beispiel die Konzertreihen der Münchner Symphoniker im Zentrum oder im Heizkraftwerk veranstalten sollte? „Ich würde eindeutig das Zentrum wählen, Aubing kann dazu keine Alternative sein.“

Noch eine weitere Sache gibt Andreas Schessl zu bedenken, und dies hängt mit der Publikumsnachfrage zusammen. „Meine Sorge betrifft das Jahr 2025, wenn der Gasteig renoviert worden und der Konzertsaal des Freistaats fertig ist. Zusammen mit dem Aubinger Projekt ergäbe das eine Überkapazität.“ Ähnliche Argumente kommen aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem künftigen Hauptnutzer des freistaatlichen Saals. Ob die Aubinger Pläne eine Konkurrenz sein könnten? „Nein, sicher nicht“, meint Orchestermanager Nikolaus Pont. „Die Funktion, die einem neuen Konzertsaal für München nicht zuletzt auf der Basis zahlreicher Studien langfristig zugedacht ist, kann in Aubing nicht erfüllt werden. Der Standort ist für den Großteil unserer Besucher viel zu weit entfernt und mit dem Publikumsverhalten nicht in Einklang zu bringen.“

Betreiber, Besitzer, Abrechnungsmodelle - alles noch offen

Konkurrenzprojekt in der Münchner Saal-Debatte? Die Kultfabrik am Ostbahnhof.

Trotz des Aubinger Kraftwerks bleibt der Freistaat bei seinem Zeitplan. Gestern nickte das Kabinett erwartungsgemäß den Plan ab, über zwei Standorte zu verhandeln: Werksviertel am Ostbahnhof und Paketposthalle. Beide hatten in einer neuerlichen, auf gut 100 000 Euro Kosten geschätzten Studie die Nase vorn vor Olympiagelände, Finanzgarten und Residenz (wir berichteten).

Das war den Beteiligten zwar vorher schon klar, wegen der „Aufgeregtheit“ und der „sehr vielen Emotionen“ habe  man  aber  das noch einmal fachlich absichern wollen, so die Staatskanzlei. Weil die Autoren der Studie die Standortfaktoren recht freihändig vor sich hin gewichtet haben, schaute außerdem die Oberste Baubehörde darauf, beanstandete aber nichts.

Offiziell soll jetzt das Finanzministerium mit den privaten Grundbesitzern die Modalitäten ausmachen. Am liebsten wäre dem Staat ein Kauf der Flächen. Das ließe sich mit einem Trick günstig im Haushalt darstellen, wenn die Flächen ins Grundstockvermögen Bayerns aufgenommen werden. Erbpacht und Miete wären Plan B und C. Bis Anfang Dezember soll eine Lenkungsgruppe mehrere Ministerien den Standort ausverhandelt und entscheidungsreif haben, Spatenstich vor der Wahl 2018, das ist der CSU ganz wichtig.

Aus dem Kabinett wird diskret vermeldet, dass man sich über fast noch kein Detail im Klaren sei: Betreiber, Besitzer, Abrechnungsmodelle – alles offen. Unter den Ministern wurde allerdings geraunt, eine Luxusvariante werde man keinesfalls bauen. Für 150 bis 200 Millionen Euro könne und müsse der Saal realisiert werden. „Es muss dem kulturellen Niveau Münchens angemessen sein, aber kostenbewusst“, sagt Finanzminister Markus Söder und schiebt den boshaften Nachsatz hinterher: „Es wird auf keinen Fall eine Elbphilharmonie.“

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