Altes mit neuem Anstrich

- Mick Hucknall ist ein bescheidener Mensch. 50 Millionen Tonträger verkauft, Rekordtourneen, ein begeistertes Publikum, und der Mann, der Simply Red ist, steht auf der Bühne und sagt: "I have a nice job." Der Meinung kann man durchaus sein - zumal ab der Mitte des Konzerts in der Münchner Olympiahalle, als die Zuschauer es nicht mehr auf ihren vier Buchstaben aushalten. Wie schafft es dieser vergleichsweise uncharismatische Rotschopf, derartige Euphorie zu entfesseln?

An seiner lämmchenfrommen Soulstimme kann es nicht liegen - eher an den clever arrangierten Songs: Softe Balladen treffen auf Stampfer wie "Come to My Aid", die altes Motown-Gebläse mit modernem Rumpel-Pumpel verschmelzen. Songs, die mit einem eingängigen Refrain aufwarten und trotzdem unaufdringlich sind. Songs, die sich überall zu Hause fühlen: in der Dorfdisco genauso wie in der Edelboutique.

Das Programm folgt der Marschrichtung der jüngsten CD "Simplyfied". Hucknall hat alten Stücken der Band einen neuen Anstrich verpasst, alles atmet lateinamerikanisches Flair. Auch optisch ist einiges geboten: Die Band sieht aus wie aus dem Katalog. Der Gitarrist gleicht mit seiner blau schimmernden schwarzen Mähne und seiner getönten Brille einem japanischen Auftragskiller. Der muskelbepackte Posaunist betört die Damen, während die Herren sich bei den zwölf weiblichen Streichern aufgehoben fühlen. Sie musizieren hinter einer Wand aus Plexiglas.

Zu all diesen fitten und hübschen Menschen scheint das Zwetschgenmanderl Hucknall bisweilen nicht recht passen zu wollen. Genauso wie seine Stimme mehr zu alten Schlagern wie "Sad Old Red" und "If You Don't Know Me by Now" passt als zum Dancefloor-Hybrid "Fairground", in dem Gefühle nur noch vakuumverschweißt zu haben sind. Am Ende jedoch, als die Menge den Rothaarigen in ohrenbetäubender Lautstärke feiert, scheinen derartige Betrachtungen bedeutungslos.

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